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Fernbusse bereichern den Verkehr in Deutschland

Fernbuslinien sind seit gut einem halben Jahr möglich. Die Zahl der Verbindungen wächst. Leidet darunter das Geschäft der Mitfahrzentralen oder der Bahn?

Fernbuslinien schein attraktiv zu sein. Inzwischen gibt es in Deutschland 160 Verbindungen.
Robert Schlesinger Fernbuslinien schein attraktiv zu sein. Inzwischen gibt es in Deutschland 160 Verbindungen.

Die Bahn fährt manchmal lieber Bus. Zwischen Nürnberg und Mannheim brausen vom kommenden Montag an sechsmal täglich IC-Busse hin und her. So heißen die Fernbusse der Deutschen Bahn, mit denen die Fahrt genauso viel kostet wie die Zugreisen. Doch wer von Nürnberg nach Mannheim den Zug benutzt, muss mindestens einmal umsteigen (in Frankfurt), mitunter zweimal (in Stuttgart und Heidelberg). Der Bus fährt durch und braucht laut Plan knapp drei Stunden, das sind 20 bis 40 Minuten weniger als der Zugreisende braucht.

Mit solchen Angeboten will die Deutsche Bahn Lücken im eigenen Netz schließen, wie eine Sprecherin erklärt. Zugleich hält der bundeseigene Konzern damit die private Konkurrenz mittelständischer Busunternehmer in Schach, die neuen Freiraum genießt. Denn der Markt für nationale Fernbuslinien mit Distanzen über 50 Kilometer ist nach fast 80 Jahren Beschränkungen weitgehend freigegeben. Als dritte Kraft sind die Mitfahrzentralen im Spiel.

Fernbusse sind meist billiger als die Bahn. Gelockt wird mit Schnäppchen ab 9 Euro. Jeden Monat kommen neue Strecken hinzu. Inzwischen gebe es rund 160 Verbindungen, sagt die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (BDO), Christiane Leonard. Im Herbst 2012, vor der Marktöffnung, waren es 44. Berlin ist der bedeutendste Ausgangs- und Zielpunkt für Fernbusse. Das hat einen historischen Grund. Ein Gesetz verhinderte bis Ende 2012 Fernbusverkehr parallel zu Bahnstrecken. Nur die Bahn selbst etablierte mehr als 30 Busverbindungen in die geteilte Stadt. Auf die stark aufkommende Konkurrenz will die Bahn dosiert reagieren. „Wir haben nicht vor, den Markt aufzurollen“, sagt Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg.

Bislang scheint es keine Verlierer zu geben. Die Bahn meldete im ersten Halbjahr eine konstante Fahrgastzahl, und auch die Mitfahrzentralen haben „weiterhin regen Zulauf“, sagt Thomas Rosenthal, Sprecher von mitfahrgelegenheit.de. Über das Portal werden monatlich 3,5 Millionen Sitzplätze in Privatautos vermittelt. Mit Fernzügen sind pro Monat gut 10 Millionen Menschen unterwegs.

Rosenthal erklärt die ungebrochene Nachfrage außer mit den niedrigen Preisen damit, dass die Mitfahrzentralen im Vergleich zu Bus und Bahn viel mehr Verbindungen anböten – und das fast zu jeder Tageszeit. Die Busbranche glaubt, dass vor allem jüngere Leute vom eigenen Auto auf den günstigeren Bus umsteigen. Der Erfolg stehe und falle allerdings mit den Busbahnhöfen.

 

ARCHIV - Ein Fernbus der Fernbuslinie "MeinFernbus.de" steht am 13.11.2012 in Berlin auf einer Straße. Foto: Robert Schlesinger/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++