Folge der hohen Flüchtlingszahlen:

Finanzwissenschaftler erwartet massive Steuererhöhungen

Die Flüchtlingszahlen stellen Deutschland vor Herausforderungen. Der Freiburger Ökonom Raffelhüschen wirft einen besorgten Blick auf die kommenden Jahre.

Der Ökonom Raffelhüschen befürchtet, Flüchtlinge müssten vor allem in die sozialen Sicherungssysteme integriert werden.
Patrick Seeger Der Ökonom Raffelhüschen befürchtet, Flüchtlinge müssten vor allem in die sozialen Sicherungssysteme integriert werden.

Die deutschen Sozialversicherungssysteme sind nach Ansicht des Freiburger Wirtschaftswissenschaftlers Bernd Raffelhüschen in keiner Weise auf die Zuwanderung von mehr als einer Million Menschen vorbereitet. "Die Folge werden massive Steuererhöhungen sein", sagte Raffelhüschen vor der Fachtagung "Steuern - Recht - Wirtschaft" der Steuerberaterkammer MV am Donnerstag in Rostock. Schon heute gebe es in Deutschland Hunderttausende unqualifizierte Arbeitslose. "Es kommen jetzt bis zu 1,5 Millionen Menschen dazu, von denen etwa 70 Prozent ebenfalls unqualifiziert sind", sagte Raffelhüschen der Deutschen Presse-Agentur.

Die Ökonom bezweifelt, dass die Mehrzahl der Zuwanderer in den Arbeitsmarkt integriert werden kann. "Es wird eher eine Integration in die sozialen Sicherungssysteme." Da diese Kosten nicht den Beitragszahlern angelastet werden können, müssten die Steuerzahler dafür aufkommen. Eine Alternative sehe er nicht: "Das Kind ist in den Brunnen gefallen."

Zuwanderer haben kaum Chance auf ausreichende Rente

Raffelhüschen rechnet in den kommenden Jahrzehnten zudem mit einer starken Zunahme der Altersarmut. Hintergrund sei, dass die Menschen, die als 30-Jährige ins Land kommen, kaum eine Chance haben, 45 Jahre in die Rentenversicherung einzuzahlen. Er erwarte deshalb, dass die steuerfinanzierte Grundfinanzierung des Alters deutlich ausgebaut werden muss, erläuterte Raffelhüschen.

Deutschland ist seiner Ansicht nach ein Einwanderungsland. "Es ist aber das einzige Einwanderungsland der Welt ohne Regeln". Eine Regel müsse lauten: "Zuwanderung gerne, aber bitte in den Arbeitsmarkt." Deutschland könne da von anderen Ländern wie etwa den USA lernen, betonte Raffelhüschen. Deren Willkommenskultur finde in Konsulaten statt. "Denen, die man nicht gebrauchen kann, wird die Einreise verweigert."

Zur Einordnung des Experten

Laut der Plattform "Lobbypedia" ist Bernd Raffelhüschen nicht nur Finanzwissenschaftler, sondern auch "Lobbyist für die Privatrente und dadurch für die privaten Versicherungsunternehmen". Raffelhüschen äußere sich stets gegen die gesetzliche, umlagenfinanzierte Rente und propagiere eine private, kapitalbasierte Rente. Dabei trete er als unabhängiger Renten-Experte auf. Als unabhängig könne er jedoch nicht gelten, da er in unterschiedlichen Tätigkeiten für Versicherungsunternehmen tätig sei. Zudem gehörten Versicherungsunternehmen zu den Sponsoren seines Instituts an der Uni Freiburg.

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