Unverschuldet in Not geraten:

Folgenreiche Forderungen nach Brief-Verlust

Weil ein Schreiben offenbar nicht ankam, hat eine junge Familie nun große Geld-Probleme. Zusätzlich belastend: Auch die Tagesmutter, von der ihr Kind betreut wird, steckt dadurch in Schwierigkeiten.

Das Schreiben vom Jugendamt hat Katja Neumann* Ende August erwischt wie der Blitz aus heiterem Himmel. „Ich war richtig fertig“, erinnert sie sich. Rückwirkend zum Juni verlangt die Behörde schon gezahlte Unterstützung für die Betreuung der zweijährigen Tochter Maria durch eine Tagesmutter zurück. Doch die vierköpfige Familie, die in der Nähe von Pasewalk zu Hause ist, kann den ausstehenden Betrag von rund 800 Euro beim besten Willen nicht auf einen Schlag aufbringen. „Das ist für uns echt viel Geld“, sagt Katja Neumann. Die Rückforderung schlägt ihr so auf den „Magen“, dass sie zeitweise sogar krankgeschrieben werden muss.

Sowohl sie als auch Ehemann Bernd sind trotz Vollzeitjobs in Callcenter und Landwirtschaft nicht in der Lage, Geld zurückzulegen. Die Stundenlöhne beider liegen deutlich unter jenen 8,50 Euro, die derzeit als gesetzlicher Mindestlohn im Gespräch sind.

Finanzielle Decke ist im Winter noch dünner

Dazu kommt verschärfend, dass jedes Jahr im Winter die finanzielle Decke der Familie dünner wird, weil Bernd Neumann* in der kalten Jahreszeit entlassen wird und sich arbeitslos melden muss. In dieser Zeit springt dann das Jugendamt ein und übernimmt die Kosten für die Kinderbetreuung – bis es auf dem Feld wieder Arbeit für Bernd Neumann gibt.

Im Frühjahr habe sie den ersten Gehaltsbescheid ihres Mannes sofort und vorschriftsgemäß beim Amt eingereicht, versichert Katja Neumann. Doch von dort erfolgt wochenlang keine Reaktion, der Landkreis überweist weiter knapp 200 Euro im Monat direkt an die Tagesmutter – obwohl der Mann wieder Lohn bekommt. „Wir sind davon ausgegangen, dass alles seine Richtigkeit hat“, meint sie. Das dicke Ende folgt im August: Nachdem die 29-Jährige wegen einer anderen Angelegenheit erneut einen Gehaltsnachweis ihres Mannes einreicht, stoppt das Jugendamt rückwirkend die Zahlungen. Inzwischen weiß die junge Frau, dass der erste Brief mit dem Gehaltsnachweis bei der Behörde nicht angekommen ist. „Das Risiko, wenn etwas verloren geht, bleibt immer am Bürger hängen“, sagt sie resigniert.

„Wenigstens das Essensgeld konnte ich schon begleichen“

Besonders peinlich ist für Katja Neumann, dass die Behörde nicht sie, sondern die Tagesmutter in Haftung nimmt. Die Betreuerin, die mehrere Kinder beaufsichtigt, bekommt nun aus laufenden Verträgen so lange keinen Cent vom Jugendamt, bis die Summe erreicht ist, die für Katja Neumanns Tochter zu viel gezahlt wurde. Dadurch gerät auch die Tagesmutter in finanzielle Schwierigkeiten.

„Das tut mir sehr leid, denn wir verstehen uns mit ihr sehr gut“, betont Katja Neumann. Jetzt werde jeder „freie“ Euro zusammengekratzt, um die Schulden bei der Tagesmutter zu bezahlen. Ein Anfang ist gemacht: „Wenigstens das ausstehende Essensgeld konnte ich schon begleichen.“ Doch die größte Summe ist noch offen.

(*Namen von der Redaktion geändert)

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