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Freiwild-Lieder werden überprüft

Der Tiroler Band wird vorgeworfen, in Songs Hass und Gewalt zu verbreiten. Die Musiker weisen die Vorwürfe zurück.

Leadsänger Philipp Burger: „Ich muss sagen, der Song ist aus heutiger Sicht ein Dreckslied...“
Britta Pedersen Leadsänger Philipp Burger: „Ich muss sagen, der Song ist aus heutiger Sicht ein Dreckslied...“

Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) lässt Songtexte der umstrittenen Deutsch-Rockband Frei.Wild von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) überprüfen. Anlass ist die Anfrage des Journalisten Thomas Kuban, der den Südtirolern vorwirft, in ihren Texten Hass zu verbreiten und Gewalt zu verherrlichen. Eine Bewertung der Texte durch das Ministerium sei in dem Prüfantrag aber nicht zu sehen, teilte ein Sprecher mit. Frei.Wild-Sänger Philipp Burger wies die Vorwürfe als haltlos zurück.

Kuban, der seit Jahren unter diesem Pseudonym aus der rechten Szene berichtet, hat bundesweit Behörden wegen einer möglichen Jugendgefährdung durch die Band aus Brixen angefragt. Nach seinen Angaben prüfen auch das baden-württembergische Sozialministerium und die Landesjugendbehörden in Bremen, ob sie bei der Bonner Prüfstelle Indizierungsanträge stellen.

In seinen Schreiben hatte Kuban sieben Songs von Frei.Wild exemplarisch aufgeführt und analysiert, unter anderem Texte wie „Jetzt liegst du am Boden, liegst in deinem Blut. Das Blut auf meinen Fäusten, ich find das steht mir gut“ aus dem Lied „Rache muss sein“. Kuban kritisiert, dass die Musik schon für Kinder freigegeben sei, obwohl die Frei.Wild-Mitglieder „in ihren Liedern unter anderem Hass auf Andersdenkende verbreiten, Gewalt verherrlichen, mit geschichtsrevisionistischen Anspielungen arbeiten und antisemitische Stereotype bedienen.“

Leadsänger Burger weist die Anschuldigungen zurück: „Alle Tonträger wurden ja schon von Gutachtern überprüft und als bedenkenlos eingestuft.“ Zugleich gestand er Fehler bei dem Song „Rache muss sein“ ein. „Ich muss sagen, der Song ist aus heutiger Sicht ein Dreckslied, mit dem wir uns überhaupt nicht mehr identifizieren wollen.“ Burger bekennt sich zu seiner Vergangenheit als Skinhead, die er heute als Fehler bezeichnet. Bei Konzerten werde darauf geachtet, dass keine Neonazis im Publikum sind, sagte Burger.

Wegen der angeblichen Rechtslastigkeit war die Band im März von der Echo-Nominierungsliste gestrichen worden. Zuvor hatten die Gruppe Kraftklub aus Chemnitz und die Berliner Elektro-Popgruppe MIA ihre Teilnahme an der Musikpreis-Gala aus Protest abgesagt. Auch die Band Die Ärzte protestierte.