Lyoness sieht sich einer Kampagne ausgesetzt:

Goldesel oder Abzocke?

Während Lyoness-Kritiker dem Unternehmen fehlende Transparenz bis hin zum Betrug vorwerfen, verweist der Konzern selbst auf seine makellose Bilanz und spricht von Kampagne.

Mathias Vorbach ist Pressesprecher von Lyoness. Für die massive Kritik an dem Unternehmen hat er kein Verständnis, räumt jedoch Verbesserungsmöglichkeiten ein.
Robert Kiesel Mathias Vorbach ist Pressesprecher von Lyoness. Für die massive Kritik an dem Unternehmen hat er kein Verständnis, räumt jedoch Verbesserungsmöglichkeiten ein.

Die Vision einer perfekten Shoppingwelt, sie sieht wohl in etwa so aus: Auf einer an nur einem Tag kaum zu erlaufenden Einkaufsfläche laden weit über hundert Geschäfte zum Staunen, Probieren und Kaufen, erhalten Restaurants und Cafes die Shoppinglaune. Während unzählige Mengen Geld den Besitzer wechseln, erwerben die Käufer neben der Ware das Glück gleich dazu. Ziemlich nahe kommt man diesem Idealbild im Berliner Einkaufszentrum „Alexa“. Ein perfekter Ort also für ein Gespräch mit dem Lyoness-Sprecher Mathias Vorbach.

Und ein perfekter Zeitpunkt noch dazu. Denn während die Berichterstattung der vergangenen Wochen über Wesen und Geschäftsmodell des Unternehmens für zahlreiche Rückmeldungen gesorgt hatten, schwieg das Unternehmen selbst beharrlich. Dieses Schweigen bricht Vorbach nun. Und mehr noch: Der Sprecher des in Österreich und der Schweiz beheimateten Unternehmens will „einiges klarstellen“.

Dem zuvor jedoch stellt er einen Lyoness-Exkurs. Gegründet im Jahr 2003, feiert die Einkaufsgemeinschaft aktuell ihr zehnjähriges Bestehen. Ein erfolgreiches Jahrzehnt, so die Bilanz. Die „weltweit größte Einkaufsgemeinschaft“ sei aktuell in „44 Märkten“ auf allen Kontinenten aktiv. Drei Millionen Mitglieder hat Lyoness bislang für sich gewonnen. Diese können in 29 000 Partnerunternehmen Geld ausgeben und gleichzeitig verdienen. Daraus nämlich speist sich die Anziehungskraft von Lyoness: „Geld zurück bei jedem Einkauf“, dieser Slogan verspricht Glück und Geld in einem.

Vorwurf der fehlenden Information

Dass dieses Versprechen zumindest unter Vorbehalt zu stellen ist, darauf hatten gleich mehrere Akteure in den vergangenen Wochen unter Bezug auf die Berichterstattung über Lyoness hingewiesen. So sprach der Greifswalder Unternehmer Anselm Bonies in Bezug auf Lyoness von einer „schleichenden Pest“, die in der Hansestadt um sich greife. Lyoness-Schulungsteilnehmer berichteten von einem System, „das keiner verstehen kann.“ Der Verbraucherschutz des Landes riet Konsumenten dazu, im Zusammenhang mit Lyoness Vorsicht walten zu lassen. Hinzu kommen die in Österreich gegen Lyoness laufenden Klagen und Ermittlungen, die ohnehin Gegenstand der Berichterstattung inzahlreichen Medien sind und waren.

Statt angesichts dieser breiten Kritikfront auf Gegenangriff zu setzen, greift Vorbach zur diplomatischen Aufklärung. „Unser Geschäftsmodell besteht aus drei Säulen, das muss man verstehen“, so der Sprecher. Säule A und Säule B, bezeichnet als Cash-Back und Loyalty-Programm, bleiben von der Kritik weitgehend unberührt. Bei Säule A gehen Mitglieder einkaufen und bekommen Rabatte gutgeschrieben, im Rahmen des Loyalty-Programms profitieren Lyoness-Partnerhändler davon, dass ihnen zuverlässige Kundenströme durch die Rabatte suchenden Mitglieder des Unternehmens garantiert sind. Eine für alle Beteiligten Vorteile versprechende Geschäftsbeziehung also, gegen die nichts einzuwenden ist.

Komplizierter jedoch wird es bei Säule C, dem Strukturvertrieb. Dieser basiert darauf, dass Mitglieder zu Unternehmern werden, sich eine eigene Struktur an Lyoness-Mitgliedern aufbauen. Wer darin erfolgreich ist, dem winken „erweiterte Vorteile“. In der Lyoness-Welt heißen diese Prämien und Boni, verrechnet in Einheiten und Kategorien, belohnt mit Karriere-Leveln und letzten Endes auch barem Geld.

Verantwortung wird auf Vertriebler übertragen

Schwer verständlich? Nicht für Mathias Vorbach: „Wir legen sehr transparent unsere Praxen offen, sind gerne bereit, mehr Verständlichkeit zu schaffen.“ Verantwortlich dafür seien im Bereich des Strukturvertriebs letztendlich aber jene, die sich um die Anwerbung neuer Premium-Mitglieder kümmern. Und diese sind nun mal nicht Teil des Unternehmens Lyoness. „Es gibt natürlich auch Fehler, die draußen passieren, das sind dann aber die Fehler der Vertriebler“, so Vorbach. Lyoness selbst tue alles dafür, das eben gar nichts falsch verstanden werden kann. So werden neue Premium-Mitglieder abtelefoniert, in Deutschland bekämen sie Fragebögen zugeschickt. Auf diese Weise setze Lyoness „den Rahmen“. Klar sein müsse jedem: „Im Schlaf Geld verdienen, das wird nicht funktionieren.“

Eine Information, die außerhalb der Konzernstrukturen, auf den von Premium-Mitgliedern selbst veranstalteten Schulungen und Informationsveranstaltungen, schon mal unter den Tisch zu fallen scheint. So berichtet ein Zeuge einer in Greifswald veranstalteten Schulungsveranstaltung: „Da wird ein ganz subtiler Druck ausgeübt. Den Leuten wird gesagt, sie müssten jetzt einsteigen, damit es sich noch lohnt. Fragen hat da keiner gestellt.“ Eine Erfahrung, die Mathias Vorbach einordnet. „Sicher geht es auf diesen Treffen sehr emotionalisiert zu, das ist aber auf Vertriebsveranstaltungen grundsätzlich so. Da geht es um Verkauf.“

Und ohne Verkauf, auch das räumt Vorbach ein, funktioniert das gesamte Geschäftsmodell Lyoness nicht. „Wenn die Leute nicht kaufen, hätten wir ein Problem.“ Schließlich lassen sich Handelspartner nur mit zu erwartenden Umsätzen locken, machen Rabatte nur Sinn, wenn man selbst und andere auch einkaufen können. Wie konsequent diese Logik der Einkaufsgemeinschaft mitunter umgesetzt wird, mussten recherchierende Journalisten zum Thema Lyoness bereits selbst feststellen. Während sie sich mit Premium-Mitgliedern von Lyoness zu Informationsgesprächen verabredetet hatten, wähnten sich diese am Beginn einer rabattträchtigen Shoppingtour.

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