Kommentar:

Griechenland darf nicht vertrieben werden, die Folgen wären undenkbar

Der Euro ohne Griechenland? Für die Bundesregierung scheint das von einem Schreckensszenario zu einer echten Option geworden zu sein. Nachrichtenchef Marcel Auermann hält das für einen falschen Weg.

Selbst in Griechenlands schwersten Zeiten trat Deutschland für dessen Verbleib in der Eurozone ein. Inzwischen ist ein Ausscheiden für die Kanzlerin offensichtlich eine Option.
Orestis Panagiotou Selbst in Griechenlands schwersten Zeiten trat Deutschland für dessen Verbleib in der Eurozone ein. Inzwischen ist ein Ausscheiden für die Kanzlerin offensichtlich eine Option.

Sollte Griechenland tatsächlich aus der Eurozone ausscheiden, wäre das ein Armutszeugnis für alle Rettungspolitiker, eine Bankrotterklärung an ein vereintes Europa. Ein Dominoeffekt wäre die Folge, nach und nach bräche das Konstrukt auseinander. Denn auch in Frankreich und Italien läuft es alles andere als vorbildlich. Seit dem Ausbruch der Schuldenkrise im Jahr 2010 sind kaum Fortschritte beim Abbau der Haushaltsdefizite und den Strukturreformen zu verzeichnen. Im Klartext: Europa zeigt sich seit wenigen Wochen wieder so fragil, der Euro als einheitliches Zahlungsmittel für die Zukunft so fraglich wie schon lange nicht mehr. Dieser schöne Gedanke einer Einheit könnte sich als Traum erweisen, der schon bald endet, wenn Politiker weiter Pessimismus verbreiten.

All das scheint der Bundeskanzlerin ziemlich egal zu sein. Dabei wären die Auswirkungen des knallharten Schritts der Hellenen für niemanden absehbar, weil es so einen Schritt noch nie gab und ihn kein Konzept vorsieht. In ihrer Wurschtigkeit zeigen sich Angela Merkel und andere Minister wie trotzige Kinder nach der Motto „Soll Griechenland doch raus aus der Eurozone“. Wie aber wollen die Berliner Herrschaften den Steuerzahlern plausibel erklären, dass die rund 240 Milliarden Euro, die in den vergangenen Jahren Richtung Athen flossen, verloren sind, irgendwo nutzlos in der Ägäis versickerten? Für nichts.

In der Eurozone ist es wie in der Ehe: In guten wie in schlechten Zeiten. Jetzt heißt es in der Schicksalsgemeinschaft, noch mehr zusammenzustehen. Das fängt schon damit an, keine Egalhaltung an den Tag zu legen und damit dem Linkspopulisten Alexis Tsipras vor der Wahl am 25. Januar in die Hände zu spielen. Sondern allen deutlich zu machen, was seine Politik des Schuldenerlasses bedeutet – ein völliger wirtschaftlicher Niedergang Griechenlands.

Sicher gestaltet sich der Sparkurs hart und für viele Hellenen fast unerträglich. Aber im dritten Quartal 2014 hat das Wachstum erstmals wieder angezogen, ist die Beschäftigung so stark gewachsen wie nirgendwo in der EU. Wenn das keine guten Nachrichten sind. Hier muss angeknüpft, hier darf nie und nimmer aufgegeben werden.

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