Frisch gekürt:

„GroKo“ ist das Wort des Jahres

Die Gesellschaft für deutsche Sprache würdigt auf diese Weise den kreativen Umgang mit Begriffen. Abkürzungen, Wortverdrehungen, Sprachspiele wohin man blickt ...

Sprachforscher adeln die Abkürzung für Große Koalition.
Jan-Philipp Strobel Sprachforscher adeln die Abkürzung für Große Koalition.

Streng genommen ist an „GroKo“ so ziemlich alles falsch: Das Wort steht nicht im Duden, der Großbuchstabe mittendrin ist eigentlich nicht erlaubt – und was soll das überhaupt heißen? Als die Gesellschaft für deutsche Sprache am Freitag ihr „Wort des Jahres“ verkündete, war das mehr als die Entscheidung für einen Begriff, der das Jahr 2013 – zumindest aus Sicht der heimischen Politik – auf den Punkt bringt. Die Jury macht damit zugleich den immer kreativeren Umgang mit der deutschen Sprache hoffähig.

Inhaltlich steht „GroKo“ für die sich anbahnende große Koalition in Berlin. Sprachlich handelt es sich um ein Silbenkurzwort, nicht etwa eine Abkürzung wie bei „Limo“, wo nur „-nade“ fehlt. Zusammenziehungen mit Großbuchstaben finden sich sonst vor allem in der Marketing-Sprache, etwa bei „BahnCard“.

Wer hat das Wort eigentlich erfunden?

Dass das Wort wie „Kroko“, also Krokodil klingt, fand die Jury besonders witzig. Darin offenbare sich „eine halb spöttische Haltung“ gegenüber der Politik, hieß es zur Begründung. Zudem rege es zu weiteren Wortschöpfungen an – etwa zu „GroKo-Deal“ für den Koalitionsvertrag.

Wer „GroKo“ erfunden hat, ist nicht dokumentiert. Gut möglich, dass es der Entertainer Harald Schmidt war. 2005 ließ er in seiner Show eine schwarz-rote Handpuppe auftreten, die er mit den Worten „Er heißt GroKo, weil er von der großen Koalition ist“ vorstellte.

Dass ein Kurzwort „Wort des Jahres“ wird, ist selten: Die Universität Vechta hat alle „Wörter des Jahres“ seit 1971 ausgezählt und kam auf einen Anteil von dreieinhalb Prozent.

„Nicht-reguläre Wortschöpfungstechniken“ nehmen „sprunghaft“ zu, hat eine Forschungsgruppe an der Universität Eichstätt herausgefunden, die sich mit „Intendierter Irregularität“ in der Sprache beschäftigt. Besonders häufig finden sich Wortneuschöpfungen in Fachsprachen, bei Jugendlichen, in humoristischen Texten und vor allem in der Werbung. Verstärkt wird diese Tendenz durch die neuen Medien. Vor wenigen Jahren hätte kein Mensch mit „lol“ etwas anzufangen gewusst. Inzwischen wissen viele, dass das für – nein, nicht „lots of love“ – sondern „laughing out loud“ steht, ein Akronym, gebildet aus den Anfangsbuchstaben der englischen Wörter für laut loslachen.

„Wo viel geschrieben wird, wird auch viel abgekürzt“, weiß der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Prof. Armin Burkhardt. Dass sich viele Abkürzungen in der deutschen Sprache einnisten, dazu hätten auch SMS, WhatsApp, Facebook und Twitter beigetragen. „Wer abkürzt, spart Zeit und Geld und kann sich gleichzeitig auch noch kreativ zeigen.“ Bundesfreiwilligendienst? Zu lang und kompliziert! „Bufdi“ geht viel schneller.

Kein Schaden für die deutsche Sprache

Die Sprache diversifiziere, also verändere und vervielfältige sich immer mehr, erklärt der Germanistik-Professor Jochen Bär. Es bildeten sich immer neue Untersprachen, die Linguisten nennen es „Varietäten“. Dazu zählen regionale Dialekte ebenso wie Gruppensprachen, etwa der Slang jugendlicher Migranten, oder die Mediensprache, die sich aus sozialen Netzwerken oder den Kurznachrichten heraus entwickelt. Ein Problem hat der Sprachwissenschaftler nicht damit: „Im Mittelalter gab es auch keine einheitliche Hochsprache.“ Begriffe wie „GroKo“ seien „kein Schaden für die deutsche Sprache, sie spiegeln nur eine sich verändernde Art der Kommunikation“, beruhigt Bär.

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