Öko-Partei unter Druck:

Grüner Pädophilen-Skandal ist Supergau für Trittin

Den Spitzenkandidaten der Öko-Partei holt die Vergangenheit ein. Vor 30 Jahren unterschrieb er ein Wahlprogramm, in dem die Straffreiheit für Sex mit Kindern gefordert wurde. Klar, dass die Opposition flohlockt.

Gerne hätte sich Jürgen Trittin näher zur Landtagswahl in Bayern geäußert. Stattdessen musste der Spitzenkandidat der Grünen Stellung zum Umgang seiner Partei mit dem Thema Pädophilie nehmen.
Britta Pedersen Gerne hätte sich Jürgen Trittin näher zur Landtagswahl in Bayern geäußert. Stattdessen musste der Spitzenkandidat der Grünen Stellung zum Umgang seiner Partei mit dem Thema Pädophilie nehmen.

Jürgen Trittin gibt sich zerknirscht, räumt Versäumnisse ein. Wenige Tage vor der Bundestagswahl rückt der Grünen-Spitzenkandidat ins Zentrum der Debatte über Pädophilie bei den Grünen. Hintergrund: Als Student und Stadtratskandidat hatte er vor gut 30 Jahren das Kommunalwahlprogramm der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste (AGIL) in Göttingen presserechtlich verantwortet – darin die Forderung nach Straffreiheit für gewaltfreie sexuelle Handlungen an Kindern. „Wir haben es nicht mal hinterfragt“, sagt er nun.

Die Wahlnachlese-Pressekonferenz der Grünen zur Bayernwahl wird zur Selbstverteidigungsübung für ihren Spitzenkandidaten. Die Schatten der Vergangenheit holen die Grünen ausgerechnet jetzt ein, wenige Tage vor der Bundestagswahl. Und es sind die Forscher, die die Partei selbst beauftragt hat, Licht in die Vorgänge der 80er Jahre zu bringen, die den Spitzenkandidaten nun in Erklärungsnot bringen: Franz Walter und Stephan Klecha vom Göttinger Institut für Demokratieforschung haben in der Tageszeitung „taz“ unter dem Titel: „Die fatale Schweigspirale“ berichtet.

Trittin sagte, er habe sich nicht mehr daran erinnern können, dass das Programm überhaupt Aussagen zu diesem Thema enthalten habe. Warum er selber nicht nachgeforscht habe? Es sei richtig, wenn Außenstehende die Vorgänge umfassend aufklärten. „Ich habe mehrfach gesagt, dass es in der Gründungsphase der Grünen falsche Forderungen gegeben hat.“ Er wiederholte das Angebot an mögliche Opfer, sich bei dem Forscherteam zu melden. Trittin und seine grünen Kollegen beißen die Zähe zusammen – dass der von ihnen für 200 000 Euro beauftragte Gutachter sie kurz vor dem Wahltermin in Erklärungsnöte bringt, dürfte ihnen wenig gefallen. Doch Parteichef Cem Özdemir sagt: „Er macht es so, dass er keine Rücksicht nimmt, auch nicht auf einen Wahltag. Das ist richtig so.“

Für die Grünen ist der Fokus auf ihren ohnehin umstrittenen Spitzenmann Trittin ein Super-GAU auf den letzten Wahlkampfmetern. Der politische Gegner nutzt dies sofort zur Attacke: „Trittin muss seine Spitzenkandidatur ruhen lassen“, forderte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) warf Trittin blanken Hohn gegenüber allen Missbrauchs-Opfern vor.

Parteienforscher Walter hält Rücktrittsforderungen für unsinnig und warnte. „Ich würde allen Parteien in der Frage raten, den Mund nicht zu weit aufzumachen.“ Der zweifelhafte Umgang mit Pädophilie-Forderungen sei kein alleiniges Problem der Grünen.

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