Kosten vergleichbar mit dem Vorjahr:

Heizen bleibt teuer

Zum Beginn der Heizperiode sind die Märkte für Öl und Gas in stabiler Verfassung. Mieter und Hausbesitzer müssen für eine warme Wohnung aber tief in die Tasche greifen. Es soll zumindest nicht teurer werden als im Vorjahr.

Für eine warme Wohnung müssen Verbraucher tief in die Tasche greifen.
Sven Hoppe Für eine warme Wohnung müssen Verbraucher tief in die Tasche greifen.

Mit dem Herbst beginnt das Zittern. Die Kosten für die Raumheizung sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, vor allem für Heizöl. Mit den ersten Nachtfrösten stellt sich für Mieter und Hausbesitzer die bange Frage: Wird das Heizen in diesem Winter wieder so teuer wie im vergangenen? Oder sogar noch teurer?

Ein Blick auf die aktuelle Lage der Energiemärkte zeigt: Es gibt keinen Grund zur Panik - aber auch keine Entwarnung. Energie ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich teurer geworden, und das bleibt sie auch. Die Kosten für die Haushalte bleiben hoch. Doch sie steigen seit einiger Zeit nicht mehr, sondern sind relativ stabil.

Der Ölpreis, nach wie vor ein Leitanker der Energiemärkte, bewegt sich seit nahezu drei Jahren meistens zwischen 95 und 115 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent. Sowohl 2011 als auch 2012 lag der weltweite Durchschnittspreis für Rohöl bei 107 Dollar - und 2013 sieht es nicht viel anders aus. Aktuell steht er bei 110 Dollar. "Wir erleben somit die mit Abstand teuersten Öljahre in der Geschichte", heißt es dazu auf der Internet-Seite von Tecson, einem Hersteller von Tankmesstechnik.

Noch 2010 lag der Ölpreis im Jahresmittel bei 80 Dollar, 2009 bei 62 Dollar. Es ist noch keine zehn Jahre her, dass erstmals die Schwelle von 50 Dollar überschritten wurde; heute haben sich Märkte und Verbraucher an das Preisniveau jenseits der 100 Dollar gewöhnt.

Rund die Hälfte heizt mit Gas

Das bekommen alle Verbraucher zu spüren, die ihre Wohnung mit Öl beheizen - rund 29 Prozent der deutschen Haushalte. Nach dem teuersten Heizöljahr aller Zeiten mit einem Durchschnittspreis von 90 Euro für 100 Liter wird es in diesem Jahr zwar etwas billiger, aber nicht viel. Im Verlauf dieses Jahres lag der Heizölpreis stets unter dem Vorjahresniveau, aber nur um wenige Euro. Aktuell sind es knapp 86 Euro bei einer Bestellung von 3000 Litern (inkl. MwSt.), ungefähr sechs Euro weniger als vor einem Jahr. Der Kunde zahlt für eine Tankfüllung 2580 Euro, das sind 180 Euro weniger als im Herbst 2012.

Rund die Hälfte aller Verbraucher benötigen für eine warme Wohnung aber kein Öl, sondern Gas. Hier ist die Lage etwas unübersichtlicher. Das Verbraucherportal Verivox errechnete für den September einen durchschnittlichen Gaspreis in Deutschland von 1317 Euro im Jahr bei einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden. Vor einem Jahr waren es noch 1297 Euro - Gas ist also etwas teurer geworden. Die Angaben entsprechen den Daten des Statistischen Bundesamtes, das im Juni einen Preisanstieg von etwa einem Prozent festgestellt hatte.

Der enge Zusammenhang zwischen Öl- und Gaspreis hat sich in den vergangenen Jahren gelockert, aber noch nicht völlig aufgelöst. Die großen Gasimporteure in Deutschland haben langfristige Verträge mit ihren russischen Lieferanten nachverhandelt. Und deren Preisklauseln orientierten sich am Ölpreis. Die kurzfristigen Märkte für Gas - die sogenannten Spotmärkte - haben jedoch zugleich an Bedeutung gewonnen. Es ist weltweit viel Gas verfügbar, vor allem durch Fracking in den USA und einen Boom bei flüssigem Gas (LNG). Daher musste der russische Gazprom-Konzern Abstriche bei den Preisen hinnehmen.

Gaspreise sind regional unterschiedlich

Andererseits ist die aktuelle Nachfrage nach Gas hoch. Der lange und kalte Winter in Westeuropa hat die Speicher geleert, jetzt werden sie mit Hochdruck wieder aufgefüllt. Die drei Monate März bis Mai 2013 waren die kältesten in Deutschland seit 26 Jahren, in Großbritannien seit 51 Jahren. Die hohe Gasnachfrage hat die Preise auf den Spotmärkten hochgetrieben, doch ob sich das bei den Endverbrauchern auswirkt, ist noch offen. "Es gibt keine wirkliche Verknappung auf dem Weltmarkt", sagt Verivox-Sprecher Jürgen Scheurer. Vieles spricht für stabile Preise. Der Energiekonzern Eon hat seinen Kunden schon eine Preisgarantie bis Ende März gegeben.

Die Gaspreise sind regional und je nach Versorger unterschiedlich. Das liegt sowohl an den Netzkosten, die sich je nach Bundesland um bis zu 200 Euro jährlich unterscheiden können, als auch an den Einkaufsstrukturen der Versorger. Durch einen Anbieterwechsel können Verbraucher laut Verivox bis zu 400 Euro im Jahr sparen. Das machen sie aber nur selten, die Wechselquote liegt im einstelligen Bereich.

Beim Öl haben sich die Marktteilnehmer an die relativ stabile Marktlage gewöhnt. Doch das muss nicht so bleiben. "Falls der Preis aus seiner gewohnten Spanne ausbrechen sollte, ist mit extrem schnellen Preisbewegungen zu rechnen", sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. Doch trotz diverser Risiken - von Syrien bis zur Nachfrage in den Schwellenländern - rechnet auch er mit einem weiterhin recht gut versorgten Ölmarkt. Das größte Risiko für diese Heizperiode ist das Wetter: Bleibt es lange kalt, gehen Verbrauch, Preise und Kosten für die Haushalte nach oben.

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