Noch viele Frage offen:

Hilfe für die Opfer sexuellen Missbrauchs

Seit Mai können Opfer sexuellen Missbrauchs im familiären Bereich Anträge auf Hilfe stellen. Fragen und Antworten zum Thema:

Karl-Josef Hildebrand Vor gut drei Jahren alarmierten Missbrauchsfälle in Schulen und Internaten die Öffentlichkeit. Eineinhalb Jahre lang tagte ein Runder Tisch und entschied, auch Menschen zu unterstützen, die als Kinder und Jugendliche im familiären Umfeld sexuell missbraucht wurden. Zum 1. Mai 2013 nahm nun die Geschäftsstelle Fonds Sexueller Missbrauch ihre Arbeit auf.

Wer kann sich an den Fonds wenden?

Menschen, die als Kinder oder Jugendliche im familiären Bereich sexuell missbraucht wurden, können Unterstützung fordern. Beantragt werden können Sachleistungen bis zu 10 000 Euro beispielsweise für Therapien. Menschen mit Behinderungen können darüber hinaus bis 5000 Euro mehr beantragen, damit sie die Hilfeleistungen auch tatsächlich in Anspruch nehmen können.

Wie viel Geld steht zur Verfügung?

Versprochen waren 100 Millionen Euro für Betroffene, die im familiären Umfeld missbraucht wurden. Die Summe sollten sich Bund und Länder teilen. Der Bund hat seinen 50 Millionen Euro Anteil gezahlt, von den Länder ging bislang kein Geld ein. Nur Mecklenburg-Vorpommern hat verbindlich signalisiert, seinen Anteil zu zahlen. Die Länder sehen sich teilweise als nicht zuständig an oder favorisieren eine Stiftungslösung.

Wie werden Anträge bearbeitet?

Nach Eingang des Antrages werden die Daten der Antragsteller anonymisiert. Die Geschäftsstelle übernimmt dann eine erste formelle Prüfung der Anträge, also auf Vollständigkeit oder die Minderjährigkeit des Betroffenen zu dem Zeitpunkt, als die Tat erfolgte. Die Geschäftsstelle reicht die Anträge dann an eine Clearingstelle weiter, die final darüber entscheidet.

Wie viele Anträge sind bisher eingegangen?

Die Zahl liegt bei rund 300. Ende August sind die ersten Auszahlungen geplant. Opferverbände kritisieren die Antragsformulare allerdings als "retraumatisierend", da die Angaben teils sehr belastend sein können. Sie raten daher dringend, Hilfe bei der Beantwortung in Anspruch zu nehmen.

Was kritisieren Opfervertreter?

Sie beklagen, dass die Opfer mit den bürokratischen Anforderungen weitgehend alleingelassen werden und es zu wenig Informationen gibt. Das könne abschrecken. Außerdem sind die Hilfen für Opfer, die in Institutionen wie Kirchen oder Vereinen sexuellen Missbrauch erleiden mussten, nach wie vor ungeklärt.

Wo gibt es Fortschritte?

Bei Vorbeugung und Forschung hat sich auch nach Ansicht von Kritikern einiges getan. So gibt es Aufklärungsprojekte, die Kindern helfen sollen, sich zu offenbaren. Auch Beschwerden in Erziehungs- und Betreuungseinrichtungen sollen erleichtert werden. Das Anfang 2012 in Kraft getretene Kinderschutzgesetz schließt unter anderem einschlägig Vorbestrafte von der Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe aus.

Wie groß ist das Problem heute?

12 623 Fälle von Kindesmissbrauch kamen laut Kriminalstatistik 2012 zur Anzeige. Eine hohe Dunkelziffer gilt als sicher.