Massenschlägereien sind kein harmloser Wettkampf:

Hooligans dürfen härter bestraft werden

Handelt es sich bei den Schlägereien unter Hooligans um ein „rein sportliches Kräftemessen“? Diesen Eindruck wollen zumindest die Anwälte vor Gericht erwecken. Doch der Bundesgerichtshof hat eine klare Antwort auf die Gewalt rund um den Fußball.

Wenn die Stimmung im Stadion hochkocht und Feuerwerkskörper gezündet werden, verderben Hooligans friedlichen Zuschauern den Fußball-Spaß.
Friso Gentsch Wenn die Stimmung im Stadion hochkocht und Feuerwerkskörper gezündet werden, verderben Hooligans friedlichen Zuschauern den Fußball-Spaß.

Sie rasen im Pulk aufeinander zu und prügeln sich. Das geht so lange, bis eine Gruppe aufgibt oder besiegt ist. Hooligans treffen sich seit Langem zu organisierten Schlägereien nicht nur im Schatten von Fußballstadien. Aus Sicht ihrer Anwälte ist das eine Art „sportlicher Wettkampf“. Doch das sieht der Bundesgerichtshof grundsätzlich anders. Wer in Zukunft bei Hooligan-Gewalt mitmacht, läuft Gefahr, als Mitglied einer kriminellen Gruppe bestraft zu werden.

Kriminelle Vereinigungen sind nach dem Strafgesetzbuch solche Organisationen, deren Angehörige unter anderem geschlossen auftreten und deren gemeinsames Hauptziel es ist, Straftaten zu begehen. Die 2009 aufgelöste Gruppe „Hooligans Elbflorenz“ ist eine solche kriminelle Vereinigung gewesen, hat der BGH am Donnerstag festgestellt. Denn ihr gemeinsames Hauptziel sei es gewesen, Schlägereien zu organisieren und zu begehen.

Auch für andere Hooligan Gruppen wird es enger

Gleich nach der Verkündung feierte Bundesanwalt Johann Schmid das Urteil als „klare und unmissverständliche Ansage“, das den öffentlichen Raum schütze.

Durch das Urteil dürfte es in der Tat auch für andere Hooligan-Gruppen enger werden, die handeln wie die „Hooligan Elbflorenz“ es taten. Die Zahl der Hooligans ist schwer zu beziffern: Der ZIS-Jahresbericht 2013/2014 (Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze) schätzt die Zahl der gewaltbereiten Fans („Kategorie C“) in den beiden Bundesligen auf rund 2500 Personen. Es gibt Fanforschern zufolge aber Überschneidungen mit gewaltbereiten „Ultras“, die in eine andere Kategorie fallen.
Doch die Szene kann nun besser überwacht werden und muss auch mit härteren Strafen rechnen. Denn allein die Mitgliedschaft in oder die Unterstützung einer kriminellen Gruppe ist schon strafbar.

Gericht entschied, dass Schlägereien strafbar sind

Der BGH bestätigte damit ein Urteil seiner Kollegen am Landgericht Dresden und dem Grundsatz nach die Verurteilung von fünf rechtsextremen Hooligans.

Der Grund für das harte Urteil waren die organisierten Schlägereien der Dresdener Hooligans. Das Gericht beschäftigte dabei weniger die Ausschreitungen nach dem Fußball-EM-Halbfinalspiel 2008 in der Dresdener Innenstadt, an denen die Angeklagten dem Landgericht zufolge beteiligt waren.

Den Richtern ging es vielmehr um die für Nichtjuristen schwer nachvollziehbare Frage, ob die von Hooligans praktizierten Massenschlägereien Straftaten darstellen. Die Auseinandersetzungen werden mal am Rande von Fußballspielen ausgetragen, mal verabredet man sich an einem abgelegenen Ort.

Boxkämpfe würden doch auch akzeptiert

Die Kämpfe finden nach Regeln statt. Ein rein sportliches Kräftemessen also? Diesen Eindruck versuchten die Anwälte der Fünf in der Verhandlung des BGH im November zu erwecken: Alle Teilnehmer seien mit den Körperverletzungen einverstanden. Die Gesellschaft akzeptiere auch Boxkämpfe oder Kampfsport. Warum nicht Hooligan-Schlägereien?

Dazu fand der BGH klare Worte: Generell seien die Einwilligungen der Teilnehmer zu den Körperverletzungen bei solchen Schlägereien unwirksam, sagte der Vorsitzende BGH-Richter Jörg-Peter Becker. „In weiten Teilen der Gesellschaft wird der Boxsport akzeptiert“. Anders als bei den Massenschlägereien: „Da gibt es keine Entsprechung zu diesem Phänomen“. Die organisierten Kämpfe sind demnach also grundsätzlich strafbar.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung