Problem Hirndoping :

Immer mehr Fehltage im Job wegen Aufputschmitteln

Vor allem jüngere Arbeitnehmer helfen sich im Job zunehmend mit leistungssteigernden Mitteln durch den Tag. Sie glauben, damit Stress besser bewältigen zu können – und vergessen die gesundheitlichen Folgen.

Alkohol ist ein Suchtmittel – auch wenn von der Gesellschaft oft nicht als solches wahrgenommen.
Jens Schierenbeck Alkohol ist ein Suchtmittel – auch wenn von der Gesellschaft oft nicht als solches wahrgenommen.

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) – mit gut 5000 Beschäftigten das größte deutsche „Stadthygiene-Unternehmen“ – fährt beim Thema Trinken einen klaren Kurs: Während der Arbeit herrscht absolutes Alkoholverbot. „Null Promille.“ Und das seit 1996. Nicht nur für Müllwerker und Straßenkehrer, sondern auf allen Ebenen. „Vom Pförtner bis zum Vorstand“, sagt BSR-Präventionsexperte Georg Heidel. Viel Überzeugungsarbeit habe es bedurft, räumt er ein, mit einer Betriebsvereinbarung der früher durchaus praktizierten „Saufkultur“ Einhalt zu gebieten. Die BSR war da kein Einzelfall.

Die konsequente Präventionsarbeit wirkt: Suchtgefährdete werden angesprochen, auffälliges Verhalten wird nicht einfach übergangen. Für Süchtige gibt’s Hilfsangebote. Die Betriebsvereinbarung bietet Führungskräften wie Beschäftigten dafür einen klaren Rahmen. Heidel freut sich, dass sich auch ehemalige Betroffene als ehrenamtliche Präventionshelfer um gefährdete Kollegen kümmern – auf gleicher Augenhöhe. Das sei wichtig. „Es gibt viele positive Beispiele.“

Lediglich in etwa 20 Fällen seit 1996 war offensichtlich alles vergeblich und hat sich das Unternehmen von Beschäftigten getrennt. „Wir lassen unsere Mitarbeiter aber nicht ins Bodenlose fallen“, sagt Heidel. Wer erfolgreich auf Entzug war, dem werde die Möglichkeit zur Wiedereinstellung gegeben. Heidel sitzt bei der Präsentation des AOK- „Fehlzeiten-Reports 2013“ am Donnerstag in Berlin mit auf dem Podium – als Praktiker, der aufzeigt, wie Suchtprobleme im Betrieb erfolgreich anzugehen sind. Denn die Problematik ist nach wie vor aktuell. Nur die Erscheinungsformen wandeln sich, wie die Fehlzeiten-Studie beweist. Allein bei den elf Millionen erwerbstätigen AOK-Versicherten stieg die Zahl der suchtbedingten Fehltage zwischen 2002 und 2012 um 17 Prozent auf 2,42 Millionen. „Obwohl in den vergangenen Jahren eine ganze Menge unternommen wurde, können wir bei den Suchterkrankungen keine Entwarnung geben“, sagt der Vorstand des AOK-Bundesverbands, Uwe Deh.

Psychopharmaka gegen den Stress

Eine „deutliche Dynamik“ mit einer Vervierfachung der Fehltage seit 2002 gibt es vor allem bei Aufputschmitteln, mit denen meist Jüngere Stress- und Krisensituationen zu bewältigen hoffen. Fünf Prozent der AOK-versicherten Arbeitnehmer gaben zu, in den letzten zwölf Monaten Medikamente zur Leistungssteigerung bei der Arbeit genommen zu haben – etwa Psychopharmaka oder Amphetamine. Bei den unter 30-Jährigen traf dies schon auf jeden Zwölften zu. Die Experten sehen aber eine hohe Dunkelziffer.

Alkohol und Rauchen sind dennoch die Hauptursachen suchtbedingter Fehlzeiten. Fast 44 Prozent d er damit zusammenhängenden Fälle von Arbeitsunfähigkeit sind auf Alkohol – das gesellschaftlich meistakzeptierte Genussmittel – zurückzuführen. Fast jeder zehnte männliche Beschäftigte greift täglich zum Alkohol. Dafür gebe es sicher viele Gründe, so Report-Mitautor Helmut Schröder. Arbeitsdruck und hohe Leistungsstandards seien aber häufig mitverantwortlich für solche Suchterkrankungen.

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