Karriere statt Kinder?:

Immer mehr Frauen bleiben kinderlos

Das Statistische Bundesamt schlägt Alarm. Die Zahl der Frauen ohne Kinder steigt, und Deutschland hat immer weniger Mehrkind-­Familien. Hintergründe zu den neuen Geburten-­Zahlen des Statistischen Bundesamtes und den familienpolitischen Plänen von Union und SPD hat Rasmus Buchsteiner zusammengestellt.

Frauen bekommen heute immer später ihr erstes Kind. Und jede Fünfte bleibt ihr Leben lang kinderlos.
Ole Spata Frauen bekommen heute immer später ihr erstes Kind. Und jede Fünfte bleibt ihr Leben lang kinderlos.

Wie viele Kinder kommen in Deutschland zur Welt?

Im vergangenen Jahr wurden hierzulande etwa 673 500 Kinder geboren – 25 Prozent weniger als 1990 und nur halb so viele wie 1964, das mit 1 357 300 Kindern immer noch das Rekord-Baby-Jahr ist. Die Geburtenziffer – die Zahl der Geburten je Frau – liegt seit 1997 relativ konstant bei einem Wert von 1,4. Im Jahr 1964 waren es noch 2,5. Prognose: Das Statistische Bundesamt rechnet damit, dass die Geburtenzahl bis zum Jahr 2020 relativ konstant bleibt. Danach dürfte sie aber sinken.

Entscheiden sich tatsächlich immer mehr Frauen für Karriere statt Kinder?

Zwei Trends deuten zumindest darauf hin. Erstens: Die Familiengründung wird immer weiter hinausgeschoben. Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, sind aktuell im Schnitt 29 Jahre alt. Anfang der Siebzigerjahre lag der Wert bei 24 Jahren. Zweitens: Immer mehr – inzwischen 22 von 100 – Frauen im Alter von 40 bis 44 Jahren sind kinderlos. Bei westdeutschen Akademikerinnen liegt die Kinderlosenquote mittlerweile bei 30 Prozent.

Wie viele Mütter sind erwerbstätig?

60 Prozent der Frauen mit minderjährigen Kindern gehen arbeiten. Bei den Müttern mit Kleinkindern unter drei Jahren ist es jede Dritte.

Was würde eine Große Koalition in der Familienpolitik ändern?

Kindergeld, Elterngeld sowie ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz – daran wird eine schwarz-rote Koalition kaum rütteln. Die SPD stellt – zumindest bislang – noch die Forderung der Union nach einem höheren Kindergeld für alle Familien infrage. Die Sozialdemokraten wollen Geringverdiener gezielt fördern und mehr Geld in Personal und Ausbau von Kindertagesstätten investieren. Die CSU kündigte an, sie wolle Mehrkind-Familien beim Kindergeld stärker besser stellen als bisher. Ein weiterer Konfliktpunkt in den Koalitionsverhandlungen bleibt das Betreuungsgeld.

Wie viel Geld investiert der Staat bislang in die Familienförderung?

Der Staat gibt jährlich rund 200 Milliarden Euro für familienbezogene Leistungen aus. Nach einer Studie für das Bundesfamilienministerium sind drei Viertel der Deutschen überzeugt, „bei den Leistungen für Familien mit höheren Einkommen könne der Staat noch am ehesten sparen“.

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