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Kämpfer für die Einheit im letzten geteilten Land

Für viele Koreaner ist die deutsche Wiedervereinigung ein Vorbild. Der Bundespräsident wird in Seoul als lebender Beweis gefeiert, dass dieser Traum Wirklichkeit werden kann.

Bundespräsident Joachim Gauck wird auf seiner ersten Ostasienreise in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul euphorisch empfangen.
Wolfgang Kumm Bundespräsident Joachim Gauck wird auf seiner ersten Ostasienreise in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul euphorisch empfangen.

Joachim Gauck ist als Mutmacher ins letzte Land des Kalten Krieges gekommen - und Park Geun Hye macht sofort klar, was sie von ihm erwartet. "Südkorea hat eine besonders emotionale Verbundenheit gegenüber Deutschland", weil beide Länder eine Teilung durchlebt hätten. "Wir wollen auf den Traum der Wiedervereinigung zugehen", sagte die Staatspräsidentin schon beim ersten Treffen mit dem Bundespräsidenten. Vom Besuch des Deutschen erhoffe sie, dass das Thema in Korea, aber auch auf internationaler Bühne vorankomme.

Gauck ist auf seiner ersten Ostasienreise nach Seoul gekommen, um 25 Jahre nach der deutschen Vereinigung und 70 Jahre nach der koreanischen Teilung ein besonderes Zeichen zu setzen. "Wenn Sie so wollen, komme ich als ein lebendes Symbol dafür, dass unerwartete Veränderungen möglich sind", sagte er bei seiner Pressekonferenz mit Park. Er gehöre "ins Museum, als Zeichen dafür, was geschehen kann, wenn Menschen sich ihrer eigenen Kräfte besinnen".

Deutschland-Bild wegen VW-Abgas-Skandals nicht belastet

Am Montag äußerte sich Bundespräsident Gauck zudem zuversichtlich, dass der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte den guten Ruf Deutschlands und das Ansehen seiner Wirtschaft im Autoland Südkorea nicht belastet. "Ich konnte keine Einschränkung des Bildes von Deutschland aus koreanischer Sicht wahrnehmen, und dafür bin ich natürlich dankbar", sagte Gauck nach seinem Treffen mit Präsidentin Park Geun Hye. Gauck schränkte aber ein, er wisse nicht, ob es die koreanische Höflichkeit gewesen sei, die es seiner Gastgeberin verboten habe, das Thema anzusprechen.

Auch in Südkorea führen die Behörden wegen des Skandals derzeit verschärfte Abgastests bei Modellen der beiden Marken VW und Audi durch. Der Chef von VW Korea, Thomas Kuehl, entschuldigte sich in der vergangenen Woche bei den Kunden. Betroffene Modelle sollten in die Werkstätten gerufen werden.