Neuer Ärger wegen TTIP:

Kommt Schwarzwälder Schinken bald aus Amerika?

Erst war es das Chlorhühnchen, nun hat Agrarminister Schmidt mit der möglichen Aufweichung beim Schutz regionaler Spezialitäten für neue Kontroversen um das Freihandelsabkommen TTIP mit den USA gesorgt.

Kommt der „Original“ Schwarzwälder Schinken schon bald aus Übersee auf die Stulle?
Patrick Seeger Kommt der „Original“ Schwarzwälder Schinken schon bald aus Übersee auf die Stulle?

Kölsch aus Minnesota? Bayerische Brezen aus Boston? Hessischer Apfelwein aus Kalifornien? Schwäbische Maultaschen aus Chicago? Agrarminister Christian Schmidt (CSU) hat einen Testballon steigen lassen – und einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

All diese Produkte stehen auf der EU-Liste regionaler Spezialitäten. Aber in den Ver-
handlungen über das transatlantische Freihandelsabkommen mit den USA könnte der
Schutz zum Teil fallen. Schmidt hatte im „Spiegel“ betont: „Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen.“

Will der Verbraucher das Original oder die Kopie?

Am Montag hat sein Sprecher sichtbar Mühe, die Worte wieder einzufangen, denn vom Bauernverband bis zu Verbraucherschützern gibt es große Irritation. Der Vizechef der Linken-Fraktion, Klaus Ernst, sieht sich in seinen Warnungen vor dem TTIP-Abkommen bestätigt: „Das geht zulasten der Hersteller in Europa, die Spitzenqualität auf den Markt bringen. Die Liste der Zugeständnisse an die USA wird immer länger.“

Schmidt will seine Worte nun vor allem so verstanden wissen, dass angesichts von weit über 1000 Siegeln und Regionalprodukten in der EU nicht alles geschützt werden könne. Aber eine Original Nürnberger Rostbratwurst aus Kentucky oder Schwarzwälder Schinken made in USA will der Bayer verhindern. Was stimmt: Schon heute kommen viele Grundstoffe nicht aus der namensgebenden Region, umso wichtiger scheinen künftig klare Regeln für Herkunftsbezeichnungen. Dann liegt es beim Verbraucher, ob er Original oder Kopie kauft.

Deutsche Autobauer würden durch TTIP Zölle sparen

„Mindestens 90 Prozent des für Schwarzwälder Schinken verwendeten Schweinefleischs kommt zum Beispiel nicht aus dem Schwarzwald, es darf trotzdem ganz legal als regionales Produkt vermarktet werden“, meint Thilo Bode, Geschäftsführer der Organisation Foodwatch.

einer angeblich drohenden Absenkung von Verbraucher- und Umweltstandards wurde das Chlorhühnchen. Der für die Verhandlungen über die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zuständige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel meinte bei einem USA-Besuch: „Dass da etwas nicht stimmt, sieht man, wenn dieselben Menschen, die das Chlorhuhn fürchten, ihre Kinder bedenkenlos ins Schwimmbad schicken, wo die dann selbst den ganzen Tag in Chlor baden.“

Nun ist es Sinn solcher Verhandlungen, dass beide Seiten Zugeständnisse machen. So hoffen deutsche Autobauer durch einheitliche Standards und den Wegfall von Zöllen auf mehr Absatz in Nordamerika. Pro Jahr würden sei mit TTIP rund eine Milliarde Euro an Zoll sparen, betont der Verband der Automobilindustrie.