Zusatzbeiträge:

Krankenversicherte müssen mehr zahlen

Zusatzbeiträge für Krankenversicherte haben die Kassenlandschaft in der Vergangenheit durcheinander gewirbelt. Bald werden wieder Aufschläge fällig – und das auf breiter Front.

In der gesetzlichen Krankenversicherung wollen Union und SPD die pauschalen Zusatzbeiträge zu Lasten von Versicherten abschaffen. Teurer wird es vür Versichterte dennoch.
Oliver Berg In der gesetzlichen Krankenversicherung wollen Union und SPD die pauschalen Zusatzbeiträge zu Lasten von Versicherten abschaffen. Teurer wird es vür Versichterte dennoch.

Hermann Gröhe gab sich unbeirrt: Mehr Wettbewerb brauche das deutsche Gesundheitssystem. So verteidigte er als CDU-Generalsekretär die Folgen der jüngsten Gesundheitsreform. Das war 2010. Nun kommt es auf den 52-Jährigen als Gesundheitsminister zu, mit einer neuen Reform eine Wende hinzulegen. Die Versicherten werden sich in Zukunft wohl an Zusatzbeiträge bei allen Krankenkassen gewöhnen müssen. Und es dürfte deutlich teurer werden als bisher.

Was sollen die Änderungen bezwecken? Was kommt auf die Versicherten zu?

Als vor knapp vier Jahren die DAK und einige andere Kassen als erste einen Zusatzbeitrag verlangten, löste das Empörung aus. Es wurden zwar nur acht Euro mehr pro Monat fällig, doch Hunderttausende Versicherte flohen zu anderen Anbietern. In Folge sparten viele Versicherungen, wo es ging. "Die Kassen wurden in einen Zusatzbeitrag-Vermeidungswettbewerb gezwungen", sagt AOK-Chef Jürgen Graalmann. Zwei Jahre später war der Spuk vorbei. Die Konjunktur und ein hoher Beitragssatz von 15,5 Prozent spülten Milliarden in die Krankenversicherung. Zusatzbeiträge wurden gestrichen.

Warum geht es mit den Extra-Aufschlägen für die Versicherten bald wieder los?

Erstens schont die Politik die Wirtschaft: Union und SPD wollen den Arbeitgeberanteil bei 7,3 Prozent belassen. Zweitens: "Die Ausgaben der Krankenkassen sind in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich mehr als drei Prozent pro Jahr angestiegen", sagt der Präsident des Bundesversicherungsamts, Maximilian Gaßner.

Wie hoch wird der Aufschlag werden?

Wenn Gröhe die Reform Ankündigungen von schwarz-rot 2015 umsetzt, erwarten Experten, dass nahezu alle Kassen einen Aufschlag von rund 0,9 Prozent des Einkommens nehmen. Große Mehrbelastungen sind das zunächst nicht. Zugleich wird ein 0,9-Prozent-Sonderbeitrag für die Kassenmitglieder gestrichen. Doch ab 2016 dürfte der Aufschlag in die Höhe gehen. Und schon 2017 würden einzelne Kassen dann wohl unter ein bis mehr als zwei Prozent vom Einkommen nehmen, schätzt der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem.

Was ist für die Versicherten der Hauptunterschied zum alten Zusatzbeitrag?

Die Höhe des Aufschlags hängt künftig direkt vom Einkommen ab. Wer mehr verdient, zahlt mehr. Jahrelang hatten FDP und Teile der CDU auf vom Einkommen unabhängige Beiträge gesetzt, die sogenannte Kopfpauschale. Für die neue gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Maria Klein-Schmeink, sind auch die schwarz-roten Reformpläne unsozial. "Das von der SPD gepriesene Ende der Kopfpauschale erweist sich im Konkreten als bittere Pille für die Versicherten", meint sie. "Wenn die Arbeitgeber nicht mehr an den steigenden Kosten beteiligt werden, kommen gerade auf kleine und mittlere Einkommensbezieher hohe Zusatzbeiträge zu." Um bis zu 40 Euro könnten 2017 die Beiträge im Vergleich zu heute steigen.