Zugausfälle, Beschwerden und Entschädigungen:

Kunden geben der Bahn eins drauf

Ein sehr durchwachsenes Jahr der Bahn findet ein halbwegs freundliches Ende. Immerhin vier neue ICE sind geliefert worden - mit zwei Jahren Verspätung. Sie allein werden aber nicht helfen, weil viele andere Widrigkeiten warten.

Ewiges Warten am Bahnhof – leider keine Seltenheit. Nur 65 Prozent der Züge im gesamten Juni waren pünktlich. Im zurückliegenden Jahr gab es auch deswegen so viele Beschwerden von Bahnkunden wie nie zuvor.
Peer Grimm Warten am Bahnhof – leider keine Seltenheit. Nur 65 Prozent der Züge im gesamten Juni waren pünktlich. Im zurückliegenden Jahr gab es auch deswegen so viele Beschwerden von Bahnkunden wie nie zuvor.

Für die Deutsche Bahn endet das Jahr freundlich. Mit zwei Jahren Verspätung sind vier von 16 bestellten neuen ICE von Siemens einsatzbereit. Das hilft im neuen Jahr bei dem Ziel, einen möglichst pünktlichen Fernverkehr anzubieten. 2013 gelang das nicht. Die Verspätungsstatistik fiel miserabel aus. Nur im Februar kamen im Durchschnitt mehr als 80 Prozent der ICE und IC-Züge planmäßig an. Der Tiefpunkt war im Monat Juni erreicht: Da lag die Quote bei 65,1 Prozent. Nicht viel besser lief es im Oktober mit 69,3 Prozent und November mit 69,2 Prozent.

Über eine Million Entschädigungsanträge

All die Verspätungen und Zugausfälle führten 2013 zu einem Rekordniveau an Entschädigungsanträgen: 1,25 Millionen waren es, fast 40 Prozent mehr als 2012. Auch bei der Schlichtungsstelle in Berlin stieg die Beschwerdezahl sprunghaft an. Das 20. Jahr seit der Bahnreform mit Gründung der Deutschen Bahn AG Anfang 1994 war ein verflixtes.

„Da gibt es nichts zu beschönigen: Mit der Pünktlichkeitsentwicklung im abgelaufenen Jahr sind wir nicht zufrieden“, bilanzierte der für den Personenverkehr zuständige Bahn-Vorstand Ulrich Homburg. „Der erfreuliche Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fand keine Fortsetzung und das wurmt uns.“

Zu wenig Personal für Stellwerk

Homburg liefert auch eine Begründung: Eine überspülte Trasse an der Elbe führte fünf Monate zu langen Umwegen auf der Strecke Hannover-Berlin. Die Orkane „Christian“ Ende Oktober und „Xaver“ Anfang Dezember legten Hauptrouten des Fernverkehrs lahm. Der Regionalverkehr im Norden war wegen vieler umgestürzter Bäume eingeschränkt.

Die größte Bahn-Blamage des Jahres war allerdings hausgemacht: Im Sommer waren im Stellwerk von Mainz nicht mehr genügend Fahrdienstleiter vorhanden, um den Zugverkehr in der Region aufrechtzuerhalten. Der peinliche Notstand warf ein schlechtes Licht auf die Personalplanung der Bahn.

Debakel rüttelte die Bahn auf

Das Management setzte sich mit den Betriebsräten an einen Tisch und überprüfte die Dienstpläne. Das Ergebnis: Die Bahn stellt im neuen Jahr 1700 Mitarbeiter zusätzlich ein – davon 400 in den Stellwerken und 400 bei der Instandhaltung – um Lücken zu stopfen und Überstunden abzubauen.