Ausverkauf mit Tücken:

Kunden sehen Geld wohl nicht wieder

Einige wurden von der Pleite der Praktiker-Baumarktkette böse überrascht, andere wollen sie noch mal richtig ausnutzen. Aber Achtung: Es gibt keine Gewährleistung mehr für die Produkte.

In den Praktiker-Filialen hat der Ausverkauf begonnen.
Julian Stratenschulte In den Praktiker-Filialen hat der Ausverkauf begonnen.

Praktiker ist pleite und lockt zum letzten Mal mit saftigen Rabatten. Alles muss raus, vieles ist schon weg. Unter anderem wohl auch das Geld einiger Leute. So hat ein Kunde aus Woggersin bei Neubrandenburg die 799 Euro bereits abgeschrieben, die er Anfang Juli für ein Terrassenvordach im Voraus bezahlt hat. Eine Woche später meldete die Baumarktkette Insolvenz an und seitdem „werde ich nur noch hingehalten“, sagt der verärgerte Kunde. Jetzt habe er ein Schreiben des Insolvenzverwalters bekommen, mit der Aufforderung, seine Ansprüche schriftlich geltend zu machen. Rein theoretisch ist es jedem Gläubiger möglich, sich bei der so genannten Insolvenztabelle anzumelden. Wenn das Insolvenzverfahren abgeschlossen ist, wird eine Quote ermittelt, die angibt, wie viel der jeweilige Gläubiger von seinen Außenständen noch zu erwarten hat. Ein Sprecher des Unternehmens sagte am Dienstag zwar, dass diese Quote noch nicht fest stehe, allerdings gehen Experten davon aus, dass die wohl gegen Null gehen wird.

Funktionstüchtigkeit vor Ort prüfen

Auf ein weiteres, potenzielles Ärgernis weist ein Neubrandenburger Rechtsanwalt hin: Für die Waren, die jetzt bei Praktiker verkauft werden, gibt es keine Gewährleistung. Das bedeutet, wer sich zum Beispiel eine Bohrmaschine kauft und dann feststellt, dass die kaputt ist, bleibt erst mal darauf sitzen. Keine Rückgabe, kein Umtausch. Der Unternehmenssprecher gibt unumwunden zu, dass „ein Laden, der schließt, keine Gewährleistung mehr gibt“, allerdings könnten sich die Kunden notfalls an den Hersteller wenden. Das hält der Neubrandenburger Rechtsanwalt für mehr als fraglich. Was ist nämlich, wenn der Hersteller noch kein Geld für die Maschine bekommen hat? Was ist, wenn sich der Hersteller irgendwo in Fernost befindet? Und wer die Umstände auf sich nimmt, das defekte Gerät einzuschicken, sei immer noch auf die Kulanz des Produzenten angewiesen, so der Jurist. Das Praktiker die Kunden darauf nicht ausdrücklich aufmerksam macht, hält er für verantwortungslos. Er rät also davon ab, Dinge zu kaufen, die nicht schon vor Ort auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden können.

Nicht auf Vorkasse kaufen

Diesen Rat gibt auch Matthias Wins von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Wenn es sich um eine hochpreisige Maschine handelt, sollte man schon abwägen, ob sich das Risiko eines Defektes mit dem beim Ausverkauf gesparten Geld die Waage hält. Bei einfachen Werkzeugen, Waren oder Materialien müsse man jedoch keine Bedenken haben.

Im Fall des Terrassenvordaches sieht Wins jedoch wenig Chancen, dass der Woggesiner noch etwas von seinem Geld wiedersieht. Seiner Erfahrung nach geht zumeist alles für den Konkursverwalter drauf. Um als kleiner Endkunde noch was abzubekommen, müsse man schon „viel Glück haben“. Generell rät der Mann von der Verbraucherzentrale ab, in Vorkasse zu gehen. Das gelte auch bei Einkäufen im Internet. Auf gute Bewertungen solle man sich dabei nicht verlassen. Denn wer in betrügerischer Absicht Waren anbietet, werde wohl nicht mit schlechten Bewertungen werben.

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