WC bald ohne Wasser?:

Lautstarke Diskussion ums stille Örtchen

Die Europäische Union setzt die Bremse nicht nur beim Strom an, jetzt sind die Toilettenspülungen dran.

Der Wasserverbrauch in den Toiletten ist Brüsseler Spar-Aktivisten ein Dorn im Auge.             
Martin Gerten Der Wasserverbrauch in den Toiletten ist Brüsseler Spar-Aktivisten ein Dorn im Auge.  

Es ist ein eher gedankenloser Druck, mit dem wir einen wichtigen Rohstoff durchs Klo spülen: Wasser. Sechs Liter für größere Hinterlassenschaften, ein Liter reicht für die Urinale in der Herrenabteilung. Dass diese Geste zugleich einen Frevel an der Umwelt darstellt, hat nun die Europäische Kommission auf den Plan gerufen. Nach dem Stromverbrauch bei Staubsaugern, der Glühbirne und dem Duschkopf war es an der Zeit, auch einen Blick hinter jene Türen zu werfen, hinter denen Herr und Frau Europäer in sich versunken verweilen. Erste Studien lieferten dabei überraschende Ergebnisse. Klobrillen und -deckel beeinflussen das „Nutzerverhalten“ wenig. Die Konstruktion des Raumes entpuppte sich aber als reformbedürftig. Ein Liter weniger wäre – zumindest bei den umfangreicheren Verrichtungen – durchaus möglich. Das könnte, so denkt man in Brüssel, eine Grundlage für neue Konstruktionskriterien sein, die in Kürze erwartet werden. Die Idee dazu stammt übrigens nicht von den Damen und Herren um Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Die Hersteller hatten selbst um ein Ökolabel gebeten. Das wird nun kommen. Federführend in dieser pikanten Frage der Toilettenspülung ist Umweltkommissar Janez Potocnik. Der plant allerdings kein Verbot, sondern Hinweise. Schließlich hatte er mit Plänen für wassersparende Duschköpfe heftige Auseinandersetzungen ausgelöst. Da sollen die Hilfestellungen bei der Wasserfrage nicht schon wieder ein Griff ins Klo werden.

Die Niederlande und Großbritannien haben ihren Bürgern das Wasser abgedreht und Spülungen verboten, bei denen mehr als sechs Liter durch die Keramik rauschen. Die europäische Norm dürfte wohl bei fünf Litern liegen. Aber davon wird man mehr hören, sobald die Studien ausgewertet wurden. Ein faszinierender Job im gemeinsamen Europa.

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