Bahnreisende aufgepasst!:

Verzögerungen durch Lokführerstreik werden bis Mittag andauern

Am Mittwochmorgen heißt es für Zugreisende wieder "Geduld bewahren". Der angekündigte Lokführerstreik wird voraussichtlich für Verspätungen der Züge bis in die Mittagszeit sorgen. Auch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind betroffen.

Sreikender Zug
Patrick Pleul Die angekündigten Streiks werden für deutliche Einschränkungen sorgen.

Bahnreisende müssen als Folge eines Lokführerstreiks bis Mittwochmittag mit Ausfällen und Verspätungen im bundesweiten Zugverkehr rechnen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte ihre Mitglieder aufgerufen, die Arbeit am Dienstagabend für neun Stunden niederzulegen. Fern- und Regionalzüge sollten ebenso stillstehen wie Güterzüge und die von der Deutschen Bahn betriebenen S-Bahnen.
Der Streik sollte von Dienstag, 21.00 Uhr, bis Mittwoch, 6.00 Uhr dauern. Auch nach seinem Ende "werden wir erhebliche Störungen und Einschränkungen im Berufsverkehr haben", sagte Bahn-Vorstand Ulrich Homburg am Dienstag. Die Beeinträchtigungen dürften «bis in die Mittagszeit reichen".

Auch der Zugverkehr im Nordosten ist betroffen

Am stärksten werden in Brandenburg die Fahrgäste der Berliner S-Bahn betroffen sein, denn die müssen von Dienstagabend bis Mittwochmorgen mit Zugausfällen und zum Teil großen Verspätungen rechnen. Die S-Bahn Berlin empfahl ihren Kunden daher, sich vorsorglich U-Bahn-, Tram- und Busverbindungen zu suchen, auf die sie im Notfall ausweichen könnten.

Mit vergleichsweise starken Auswirkungen rechnet der GDL-Bezirksvorsitzende, Hartmut Petersen in Mecklenburg-Vorpommern. Denn es fahren weniger Privatbahnen als in anderen Bundesländern. "Zudem gibt es so gut wie keine Beamten", sagte er.

Funf Prozent mehr Gehalt gefordert

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber forderte die Gewerkschaft auf, in dem Tarifkonflikt an den Verhandlungstisch zurückzukehren: "Die GDL ist am Zug." Das Unternehmen wisse gar nicht, was die GDL von ihm erwarte. "Lass uns doch darüber reden und nicht die Öffentlichkeit verrückt machen", meinte Weber. "Streiks sind aus unserer Sicht überflüssig, verantwortungslos und ohne jedes Gespür für die derzeitige Situation."

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky beklagte im Gegenzug, dass die Bahn nicht auf die Forderungen seiner Organisation eingehe: "Man kann an dem Angebot klar die Zielrichtung der DB erkennen. Wir haben seit Monaten inhaltlich null Verhandlungen gehabt. Wir werden hingehalten und das Ziel ist eigentlich, Tarifeinheit herzustellen", sagte der Gewerkschaftschef.

Die Lokführer fordern unter anderem fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Verhandlungen darüber scheiterten aus einem anderen Grund: Die GDL will auch für das übrige Personal im Zug verhandeln, etwa für Zugbegleiter und Speisewagen-Mitarbeiter. Die Bahn lehnt das ab. Die GDL konkurriert dabei mit der größeren der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). In der vergangenen Woche hatten 91 Prozent der GDL-Mitglieder in einer Urabstimmung für einen Arbeitskampf votiert.

Genaue Standorte der Streiks sind nicht bekannt

Für die Nacht zum Mittwoch war ein flächendeckender Streik geplant, regionale Schwerpunkte nannte die GDL nicht. "Wir wissen nicht, welche Züge bestreikt werden", sagte Bahnmanager Ulrich Homburg. "Wir müssen davon ausgehen, dass wichtige Bahnhöfe bald mit bestreikten Zügen zugestellt sind." Die GDL hatte bereits Anfang September mit zwei dreistündigen Warnstreiks weite Teile des Bahnverkehrs lahmgelegt.

Zum Zeitraum des Ausstands bemerkte Homburg: "Wir finden es perfide, mit der Streikzeit zu suggerieren, dass man damit verantwortungsvoll umgehen möchte." Tatsächlich seien zu Streikbeginn um 21.00 Uhr noch mehr als 200 Fernverkehrszüge sowie mehrere tausend Nahverkehrszüge unterwegs. "Viele werden ihren Zielort nicht erreichen oder nur mit großer Verspätung."

Wann Sie ihr Ticket zurückerstatten können:

Bahnreisende bekommen einen Teil ihres Ticketpreises zurück, wenn sich ihr Zug wegen des geplanten Streiks bei der Deutschen Bahn um mehr als 60 Minuten verspätet, erhalten Bahnkunden 25 Prozent des Reisepreises zurück, ab 120 Minuten sind es sogar 50 Prozent.

Unter Umständen müssen Reisende auf ein Taxi umsteigen, wenn sie abends noch ihr Ziel erreichen wollen. Die Kosten übernimmt die Bahn, wenn der Zielort wegen des Zugausfalls zwischen 0:00 und 5.00 Uhr oder erst mit mehr als 60 Minuten Verspätung erreicht werden kann. Das gilt auch, wenn es sich um den letzten Zug des Tages handelt und der Zielbahnhof ohne ein anderes Verkehrsmittel nicht mehr erreicht werden kann. Darauf weist die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) hin. Die Bahn erstattet auch "angemessene" Kosten für eine Übernachtung, wenn die Fortsetzung der Reise am Abend nicht mehr möglich ist.

Daneben gelten die Kulanzregelungen der Bahn: Kunden, die von streikbedingten Zugausfällen oder Verspätungen betroffen sind, können sich ihre Fahrkarte und Reservierung kostenlos erstatten lassen. Das geht etwa in den DB-Reisezentren. Online-Tickets können über ein Formular im Internet erstattet werden. Außerdem dürfen Bahnreisende einen höherwertigen Zug nutzen, wenn der ursprünglich gebuchte Zug nicht fährt. Bei zuggebundenen Tickets werde die Zugbindung aufgehoben, erklärt die Bahn. Ausgenommen seien Länder-Tickets, manche regionale Angebote wie das Schönes-Wochenende- und das Quer-durchs-Land-Ticket sowie reservierungspflichtige Züge.
Bei Fragen steht Ihnen diese kostenlose Servicenummer zur Verfügung: 08000 996633. Aktuelle Informationen gibt es auch hier.

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