Studie meldet Zweifel an:

Meldepflicht treibt Sprit-Preise in die Höhe

Nach monatelangen Vorbereitungen wird die zentrale Kontrollstelle für Kraftstoffe in Kürze ihren Betrieb aufnehmen und die Autofahrer in Deutschland mit aktuellen Benzinpreisen versorgen.

Bei der Meldestelle laufen alle Sprit-Preise an deutschen Tankstellen ein. Nur, was hat der Verbraucher davon?
Oliver Berg Bei der Meldestelle laufen alle Sprit-Preise an deutschen Tankstellen ein. Nur, was hat der Verbraucher davon?

Mehr Transparenz, intensiverer Wettbewerb und niedrigere Preise – diese Hoffnungen verbinden sich mit der neuen Markttransparenzstelle für Kraftstoffe, die demnächst ihre Arbeit aufnimmt. Die Autofahrer können dann über Smartphones und Navigationsgeräte die aktuellen Benzinpreise der deutschen Tankstellen abrufen. Der Unternehmer und Wissenschaftler Holger Haedrich hat gemeinsam mit der Schweizer Universität St. Gallen in einer Studie herausgefunden, dass die totale Transparenz den Wettbewerb aber eher reduziert – und so zu höheren Preisen führt.

Herr Haedrich, Sie haben darüber nachgedacht, in Ihrem Unternehmen eine Benzinpreis-App für Smartphones zu entwickeln. Warum ist nichts daraus geworden?

Wir haben erst einmal überlegt, wie die Nachfrage nach einer solchen App ausfallen würde und dann gemeinsam mit der Universität St. Gallen eine vertiefte Studie angefertigt. Dazu haben wir die Tankstellengesellschaften gefragt, was die Markttransparenzstelle für sie bedeutet und welchen Nutzen für die Kunden sie erwarten. Die Ergebnisse waren so, dass wir das Projekt nicht weiter verfolgt haben.

Aber es ist für die Autofahrer doch von großem Nutzen, wenn sie zuverlässig über die aktuellen Preise der Tankstellen informiert sind und die günstigste Station auswählen können?

Das ist gut für Urlaubsreisende, die sich auf fremdem Gebiet aufhalten. Und für Sparfüchse, sehr preissensible Autofahrer, die gern den günstigsten Preis in ihrer Umgebung finden. Für die spielt der lokale Preis eine überragende Rolle. Wir schätzen, dass der Preis und damit die Markttransparenzstelle nur bei zehn Prozent aller Tankvorgänge in Deutschland ausschlaggebend ist. Die meisten Autofahrer profitieren nicht und müssen eher höhere Preise an der Zapfsäule bezahlen.

Warum denn das? Die Transparenz auf dem Markt soll doch gerade den Wettbewerb befeuern und zu niedrigeren Preisen führen.

Der Markt wird nicht nur für die Autofahrer transparent, sondern auch für die Anbieter, die Mineralölgesellschaften und die Tankstellenbetreiber. Sie werden die Preise lokal optimieren und an ihre Kundengruppen anpassen, um ihre Margen maximal auszuschöpfen. Jedes Unternehmen definiert lokal den optimalen Preisabstand zu seiner Konkurrenz – und fertig. Wenn alle damit gut leben können, wird keiner mehr ausscheren und versuchen, Kunden über besondere Preisaktionen zu gewinnen.

Dann stehen am Ende höhere Benzinpreise?

Der Preiswettbewerb wird wohl reduziert, die Bedeutung des Preises nimmt ab. Standortvorteile und Shop-Angebot sind wichtiger für die Wahl der Tankstelle. Auch Kundenbindungsprogramme wie Tankkarten spielen eine wichtige Rolle. Wer eine Tankkarte hat, zahlt sowieso weniger, als seine Smartphone-App anzeigen würde.

Dann wird die Markttransparenzstelle aus Ihrer Sicht ein Flop?

Wenn ein Markt für ein austauschbares Produkt von wenigen Anbietern beherrscht wird, dann führt zusätzliche Transparenz zu einer Stärkung des Oligopols. Das hat übrigens das Bundeskartellamt in einem anderen Fall ganz ähnlich gesehen, da ging es um Milch. Der Aufwand, die Daten von mehr als 14 000 Tankstellen in Deutschland zusammenzuführen, lohnt sich nicht.

Und wie stark könnten die Preise steigen?

Die absolute Höhe der Benzinpreise hängt im wesentlichen von Steuern und dem Weltmarkt ab. Die Ölkonzerne haben ihr Geld schon verdient, wenn der Tankwagen aus der Raffinerie rollt. Wir reden da über wenige Cent, die beim Endverbraucher an der Tankstelle durchschlagen. Deshalb ist auch klar, dass jede Maßnahme, die am Ende der Kette ansetzt, zu kurz greift. Das lenkt nur ab vom Problem – falls es überhaupt eines gibt.

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