Wahlkampf:

Merkel hängt Steinbrück bei Facebook ab

Glaubt man den Meinungsforschern, wird der Wahlkampf im Internet einen entscheidenden Einfluss bei der Bundestagswahl haben – vor allem bei den Jüngeren.

Angela Merkel: 335 089 Facebook-Fans.
Stefan Sauer Angela Merkel: 335 089 Facebook-Fans.

Bei Facebook hat Angela Merkel schon gewonnen und ihren Herausforderer Peer Steinbrück anscheinend uneinholbar abgehängt. 335 089 Menschen gefällt die Facebook-Seite der Kanzlerin, 26 421 die des Kandidaten.

Merkel im „Neuland“ also ganz weit vorn. Und glaubt man Wahlforschern und Kommunikationsexperten spielt das weltweite Netz in Wahlkämpfen eine immer größere Rolle. Hatte der SPD-Kanzlerkandidat zunächst dem persönlichen Wahlkampf im Netz eine Absage erteilt, musste er sich schließlich von seinen Beratern überzeugen lassen, wie wichtig die Präsenz für Politiker in den Netzwerken und Online-Kampagnen inzwischen ist. Doch musste Steinbrück gleich einen Rückschlag hinnehmen: Kaum hatte er den Unternehmer Roman Maria Koidl als Berater angeheuert, der die Gestaltung von Internet-Kampagnen übernehmen sollte, warf der auch bereits wieder das Handtuch, als bekannt geworden war, dass dieser an Hedgefonds beteiligt gewesen sei.

Wahlkampf 2.0 als Zünglein an der Waage?

37 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland halten das Internet für wahlentscheidend. Unter den jungen Wählerinnen und Wählern ist dieser Anteil sogar noch höher.

„Das Internet wird den Wahlkampf bestimmen wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik“, glaubt der Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft Bitkom, Dieter Kempf.

Das Gros der Bundestagsabgeordneten und -kandidaten ist inzwischen in den sozialen Netzwerken aktiv. Ob Facebook, Twitter, Youtube oder Xing – der Stimmenfang im Netz und der direkte Austausch mit möglichen Wählerinnen und Wählern ist den Volksvertretern inzwischen nicht minder wichtig als der persönliche Kontakt auf den Straßen und Plätzen.

Erfolg der Piratenpartei hat andere aufhorchen lassen

Videokonferenzen, Online-Debatten, Chats mit Kanzlerin und Kandidaten – spätestens der Erfolg der Piratenpartei hat auch die anderen Parteien aufhorchen und aktiv werden lassen. Ganz weit vorn unter den Politikern im Netz ist Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), ein begeisterter und engagierter Twitterer, der sich oft bis in die Nacht kontroverse Debatten im Netz mit seinen inzwischen 44 871 „Followern“ liefert.

Zwar twittert die Kanzlerin nicht, doch ihr Regierungssprecher Steffen Seibert, der es sogar auf 107 840 „Follower“ bringt. Kanzlerkandidat Steinbrück folgen bei Twitter immerhin 40 417 Nutzer. Der SPD-Mann schreibt allerdings meist nicht selbst, sondern lässt Mitarbeiter schreiben.Wichtiger als das Internet ist auch bei den jungen Wählerinnen und Wählern allerdings immer noch die Information über das Fernsehen. Und auch auf die guten alten Plakat-Kampagnen, Kundgebungen und Wahlkampfstände wollen die Parteien nicht verzichten.

Obama hat's vorgemacht

So will die SPD vor allem mit fünf Millionen Hausbesuchen punkten und mobilisieren. Die CDU setzt vor allem auf Großveranstaltungen mit Parteichefin Merkel. 60 Kundgebungen in den letzten 39 Tagen vor der Bundestagswahl, fast alle mit der Kanzlerin als Zugpferd.

Wahlkampf im Internet – für manch einen ist das allerdings immer noch Neuland. Es war US-Präsident Barack Obama, der 2008 und 2012 im Wahlkampf vor allem auf das Netz gesetzt hatte – mit Erfolg. Von seinem Zuspruch im Web wie bei Facebook können Politiker hierzulande nur träumen: Barack Obama „gefällt“ dort mehr als 36 Millionen Menschen.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung