Kleine Lästereien in Polen:

Merkel hat die Hosen an

Im Gegensatz zu anderen deutschen Parteien und Politikern ist Angela Merkel in Polen beliebt – nicht zuletzt auch wegen der polnischen Wurzeln ihren Großvaters. Sie hat im Nachbarland viele erlesene Fans. Bis auf eine, die lästert, sie sei keine echte Frau.

Im Hosenanzug kennt man Angela Merkel. Für Danuta Walesa Grund genug, um zu sticheln.
Friso Gentsch Im Hosenanzug kennt man Angela Merkel. Für Danuta Walesa Grund genug, um zu sticheln.

Das ehemalige polnische Präsidenten-Paar Lech und Danuta Walesa redet gern Klartext. Der Friedensnobelpreisträger wollte kürzlich homosexuelle Politiker im Parlament „hinter eine Mauer“ verbannen. Seine Gattin sagt nun auf die Frage, was sie von Angela Merkel halte: „Sie trägt Hosen. Sie ist keine echte Frau.“

Mit dieser abschätzigen Meinung über die Bundeskanzlerin steht Danuta Walesa in Polen allerdings nahezu allein. Die meisten Menschen zwischen Oder und Bug bewundern die deutsche Regierungschefin. Auf der Rangliste der beliebtesten ausländischen Politiker belegte sie drei Jahre in Folge Rang eins. Und seit bekannt ist, dass Merkels Großvater Ludwig Kazmierczak polnische Wurzeln hatte, ist es um die stolzen Polen geschehen: 76 Prozent empfinden Zuneigung zur Kanzlerin.

Die Herausforderer haben es dagegen schwer. Von den kleineren deutschen Parteien nimmt in Warschau fast niemand Notiz. Auf Unverständnis stoßen die Grünen. Umweltpolitik ist im Wirtschaftswunderland Polen kaum ein Thema. Doch selbst SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück machte nur mit der Publikation seiner Stasi-Akte Schlagzeilen.

Den Sozialdemokraten tragen viele Polen ihr Verhalten in den 80er Jahren nach, als die SPD den Solidarnosc-Aufstand nicht unterstützte, sondern lieber mit der kommunistischen Führung über „Wandel durch Annäherung“ sprach. Hinzu kommt, dass SPD-Kanzler Gerhard Schröder 2005 den Bau der deutsch-russischen Ostseepipeline durchsetzte.

Freuen würde sich über einen Merkel-Sieg der liberal-konservative Regierungschef Donald Tusk. Er nennt die Kanzlerin gern „meine Freundin Angela“. Wählen darf er sie nicht – im Gegensatz zu einigen Zehntausend Schlesiern. Erstmals sind Vertreter der deutschen Minderheit in Polen zur Bundestagswahl zugelassen, auch wenn sie nie einen Wohnsitz in Deutschland hatten. Die Voraussetzungen dafür wurden nach dem EU-Beitritt Polens geschaffen.

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