Zweigeteilter Wohnungsmarkt:

Mietenexplosion in der Stadt - Leerstand auf dem Land

Volle Städte, leeres Land: Der deutsche Wohnungsmarkt driftet auseinander, so das Fazit einer neuen Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft.

Die Wohnungsmärkte auf dem Land und in den Ballungsgebieten driften immer weiter auseinander.
Ralf Hirschberger Die Wohnungsmärkte auf dem Land und in den Ballungsgebieten driften immer weiter auseinander.

Die nun veröffentlichte Untersuchung bestätigt einen Trend, der sich bereits seit Jahren abzeichnet: Großstädte und Ballungsräume verzeichnen einen regelrechten „Zuzugs-Boom“, was dort zu deutlichen Mietpreissteigerungen geführt hat.

Laut Stadtentwicklungsbericht der Bundesregierung lagen die Nettomieten in den Großstädten im ersten Halbjahr 2012 im Durchschnitt bei 7,37 Euro je Quadratmeter und waren damit um mehr als 42 Prozent höher als in dünn besiedelten ländlichen Kreisen.

Die Frage einer Mietpreisbremse für Neu-Vermietungen beschäftigt auch die Parteien im laufenden Bundestagswahlkampf: SPD, Grüne und Linke machen sich für strenge Vorgaben stark, die Union will freiwillige regionale Lösungen – nur die FDP lehnt eine gesetzliche Mietpreisbremse generell ab.

In vielen Landkreisen wird Nachfrage zurückgehen

Hohe Mieten sind ein Problem vor allem in München, Hamburg, Berlin und Frankfurt. In vielen Regionen Deutschlands spielen sie allerdings kaum eine Rolle. „Insgesamt leben nur 15 der 80 Millionen Bundesbürger in Regionen mit steigenden Immobilienpreisen und Mieten – und über kurz oder lang werden auch diese Märkte ihr Gleichgewicht finden“, so IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung dürften bald deutlich werden: In 240 der 402 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte dürfte die Wohnraum-Nachfrage bis 2030 zurückgehen, erwarten die Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft: „Leerstand wird zum Massenphänomen.“ Von sinkender Nachfrage seien auch Ruhrgebietsstädte wie Essen oder Dortmund betroffen. Leerstand könne „der Treibsatz für einen beschleunigten Niedergang der Städte und Kommunen sein“, warnen die Forscher vor der Verwahrlosung ganzer Viertel und Städte.

Dachau, Ebersberg, Freising, Erding – die Landkreise im Münchener Umland sind die großen Gewinner, auch in Potsdam ist mit steigender Nachfrage nach Wohnraum zu rechnen.

Und die ländlichen Räume? Laut Stadtentwicklungsbericht der Bundesregierung schrumpfen viele Kommunen – besonders im Westen: So hätten zwei Drittel aller westdeutschen Kommunen 2011 im Vergleich zum Vorjahr unterm Strich Einwohner verloren. Die IW-Forscher fordern daher eine Strategie für Regionen außerhalb der Ballungszentren: Es gelte, „mit einer Vielzahl langfristiger finanzieller Maßnahmen die Potenziale im ländlichen Raum zu bündeln“.

Volle Städte, leeres Land: kein Zukunftsmodell

Die Kommunen warnen vor einer Benachteiligung ländlicher Regionen. „Wir erwarten von der neuen Bundesregierung ein klares Bekenntnis zum Erhalt, zur Förderung auch der ländlichen Räume in Deutschland: Volle Städte, leeres Land ist kein Zukunftsmodell für Deutschland“, erklärte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, am Donnerstag im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

Die ländlichen Räume müssten vitalisiert werden. „Dazu gehört eine flächendeckende Breitbanderschließung, ein funktionsfähiger öffentlicher Personennahverkehr, eine solide gesundheitliche Versorgung und ausreichendes Bildungs- und Freizeitangebote.“ Wenn in wenigen großen Städten die Mietpreise überproportional steigen, werde der Ruf nach einer Mietpreisbremse laut: „Die Politik konzentriert sich viel zu sehr nur auf die Metropole und bildet damit die gesellschaftliche Wirklichkeit zu wenig ab.“

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