LKW raste in Menschenmenge:

Mindestens drei Deutsche unter den Toten des Anschlages in Nizza

Bei dem Anschlag in Nizza sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft mindestens 84 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 200 verletzt worden. Die Suche einer Berliner Schule nach zwei Schülerinnen und einer Lehrerin brachte nun traurige Gewissheit.

Lastwagen-Attacke in Frankreich
FRANCK FERNANDES Ein Lastwagen ist im südfranzösischen Nizza bei den Feiern zum Nationalfeiertag in eine Menschenmenge gerast und hat mehrere Dutzend Menschen getötet.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

Kurz nach dem Ende der Fußball-EM steht Frankreich wieder unter dem Schock eines blutigen Terroranschlags: Ein Attentäter ist mit einem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge in der Hafenstadt Nizza gerast und hat am französischen Nationalfeiertag mehr als 80 Menschen getötet. Innenminister Bernard Cazeneuve sprach von 84 Toten und mehr als 200 Verletzten, nachdem der Lkw am späten Donnerstagabend auf einer Strecke von zwei Kilometern über die berühmte Uferstraße Promenade des Anglais gerast war. Der Fahrer wurde erschossen. Es habe sich um einen 31-jährigen Franzosen tunesischer Abstammung gehandelt, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Freitag unter Berufung auf Polizeikreise.

Sicherheitskräfte haben nach dem Anschlag in Nizza wegen eines Bombenverdachts vorübergehend den Flughafen der Stadt evakuiert. Anlass der Räumung am Freitagnachmittag war ein herrenloses Gepäckstück im Ankunftsbereich des Terminals 1, wie die Flughafengesellschaft bestätigte. Nach etwa einer halben Stunde gab es Entwarnung. Der Besitzer wurde ausfindig gemacht und bekam das Gepäck zurück.

Mindestens 18 Menschen schwebten nach dem Anschlag in Lebensgefahr. Unter den Todesopfern sind zahlreiche Kinder, mehr als 50 liegen Medienberichten zufolge im Krankenhaus.

Unter den Toten sind auch mindestens drei Deutsche. Bis zum Freitagnachmittag wurde nach zwei Schülerinnen und einer Lehrerin der Paula-Fürst-Schule in Berlin-Charlottenburg gesucht. Sie waren mit 28 anderen Schülern in Nizza auf Klassenfahrt. Dann die traurige Gewissheit: Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf teilt den Tod der drei Vermissten mit.

Täter war nicht als politisch radikalisiert bekannt

Präsident François Hollande sprach von einem terroristischen Charakter der Tat. Der genaue Hintergrund des Angriffs war zunächst unklar. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelte. Französischen Medien zufolge war der Täter nicht als politisch radikalisiert bekannt, er sei vor einem Monat aber wegen Gewalttaten in Nizza vorübergehend festgenommen worden. Der Mann sei auch wegen ehelicher Gewalt und Diebstahls auffällig geworden.

Dem Sender BFMTV zufolge hatte der Mann drei Kinder und lebte von seiner Frau in Scheidung. Nachbarn berichteten, dass der 31-Jährige zwar Muslim sei, aber nicht gläubig.

Der Lastwagen fuhr im Zick-Zack-Kurs über die Promenade des Anglais, eine der bekanntesten Flaniermeilen Europas - wohl deshalb, um so viele flüchtende Menschen wie möglich zu töten. Laut der Zeitung «Nice Matin» und dem Regionalpolitiker Christian Estrosi soll der Täter die Passanten nicht nur umgefahren, sondern auch mit einer Pistole beschossen haben. Den Lastwagen hatte der 31-Jährige dem «Figaro» zufolge zwei Tage vor der Tat gemietet. Die Polizei durchsuchte am Freitag die Wohnung des Mannes in Nizza.

Ausnahmezustand soll um drei Monate verlängert werden

Hollande zufolge gab es zunächst keine Hinweise auf Komplizen des Täters. «Wir müssen alles tun, um die Geißel des Terrorismus zu bekämpfen», sagte der Staatschef in Paris.

Der seit den Anschlägen vom 13. November geltende Ausnahmezustand in Frankreich, der am 26. Juli beendet werden sollte, soll nun um drei weitere Monate verlängert werden. Das Parlament werde darüber in der kommenden Woche entscheiden, sagte Hollande, der sich am Freitagnachmittag in Nizza ein Bild von der Lage machte.

Für Samstag bis Montag ordnete Hollande Staatstrauer an, wie Premier Manuel Valls nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts mitteilte. «Wir stehen einem Krieg gegenüber, den der Terrorismus gegen uns führt», sagte Valls. "Frankreich wird mit dem Terrorismus leben müssen, und wir müssen uns zusammenschließen." Hollande und Valls reisten anschließend zum Krisenstab nach Nizza. In der Hafenstadt legten viele Menschen an der Promenade Blumen nieder. Die Tour de France ging am Freitag unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen weiter.

Merkel und Gauck stellen sich hinter Frankreich

«Ganz Frankreich ist vom islamistischen Terrorismus bedroht», sagte Hollande. Deswegen sollten zusätzlich Soldaten und Reserven bei den Sicherheitskräften mobilisiert werden. Hollande kündigte eine Verstärkung der französischen Aktivitäten im Irak und in Syrien an. Dort beschießen französische Flugzeuge als Teil der internationalen Koalition Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, Deutschland stehe im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite Frankreichs: «Und ich bin sehr überzeugt, dass trotz aller Schwierigkeiten wir diesen Kampf gewinnen werden.» Bundespräsident Joachim Gauck kondolierte Hollande: «Der 14. Juli (...) steht für die Werte der französischen Revolution, die auch unsere Werte sind. Ein Angriff auf Frankreich ist deshalb ein Angriff auf die gesamte freie Welt», hieß es in einem Schreiben.

Kontrollen an französischer Grenze

Die Bundespolizei verstärkte ihre Kontrollen an den Grenzen zu Frankreich. Das Auswärtige Amt riet den Menschen in Nizza dringend dazu, den Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich zur Lageentwicklung über die Medien zu informieren.

Die Teilnehmer des Asien-Europa-Gipfels (Asem) in der Mongolei gedachten der Opfer in einer Schweigeminute. US-Präsident Barack Obama erklärte: «Wir stehen in Solidarität und Partnerschaft an der Seite Frankreichs, unseres ältesten Alliierten.» Der russische Präsident Wladimir Putin teilte mit: «Wir haben einmal mehr gesehen, dass dem Terrorismus die menschliche Moral absolut fremd ist.»

Frankreich war zuletzt wiederholt Ziel von Anschlägen. Bei islamistisch motivierten Attentaten waren im vergangenen Jahr 149 getötet worden, davon 130 bei der Pariser Terrorserie am 13. November. Während der kürzlich zu Ende gegangenen Fußball-Europameisterschaft tötete ein Mann, der sich zum IS bekannte, nahe Paris einen Polizisten und dessen Partnerin.

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