Die große Unsicherheit:

Mindestlohn treibt Unternehmer weiter um

Nur noch gut einen Monat - dann kommt er, der Mindestlohn in Deutschland. Mit den 8,50 Euro haben sich die Firmenchefs im Nordosten mittlerweile einigermaßen angefreundet. Trotzdem stehen ihnen die Sorgenfalten weiter auf der Stirn.

Der Mindestlohn bringt zahlreiche Veränderungen mit sich. Und die sind nicht für alle positiv.
Oliver Berg Der Mindestlohn bringt zahlreiche Veränderungen mit sich. Und die sind nicht für alle positiv.

Kurz vor der Veranstaltung zum Mindestlohn musste die IHK Neubrandenburg umdisponieren. Es hatten sich deutlich mehr Unternehmer angemeldet, als erwartet. Aufgrund des Ansturms musste ein größerer Raum her, der Webasto-Saal in der Viertorestadt. Schließlich kamen am Dienstagabend mehr als 180 Unternehmer - die meisten mit vielen Fragen.

Beispielsweise der aufgebrachte Zinnowitzer Campingplatz-Betreiber Peter Gebser: Er zahle den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde schon seit Längerem. Aber die damit zusammenhängenden Gesetze empfindet er als reine Abzocke: "Dass ich zum Beispiel für meine Auftragnehmer hafte, wenn die den Mindestlohn nicht zahlen, das ist Sippenhaft, nichts anderes." Hinter Gebsers Wut steckt eine spezielle Vorgabe des Gesetzgebers: Firma A stellt Firma B für einen Auftrag an. Zahlt Firma B ihren Angestellten nicht den Mindestlohn, muss Firma A dafür haften - sprich, den Mindestlohn an die Angestellten von Firma B nachzahlen.

Neues Mindestlohngesetz: Bürokratie-Monster

Auch das Thema Überstunden bereitet vielen Unternehmern Kopfzerbrechen. Bisher konnten Überstunden abgebummelt werden. Mit dem neuen Mindestlohngesetz, so der Vorwurf der Unternehmer, sei allerdings ein neues Bürokratie-Monster geschaffen worden. Die Arbeitgeber müssen künftig akribisch aufzeichnen, wie viele Stunden ihre Angestellten gearbeitet haben.Der Zoll ist angehalten, die Einhaltung zu überwachen, so Rechtsanwalt Steffen Pasler vor den Unternehmern. Er prophezeit, dass der Zoll die Überstunden auf die Wochenarbeitszeit anrechnet, so dass im Stundenschnitt am Ende weniger als 8,50 pro Stunde herauskommen würden.

Konkurs für Taxiunternehmen

Ein weiteres ernsthaftes Problem für die Unternehmer: Der Mindestlohn für gering qualifizierte Mitarbeiter zieht aller Wahrscheinlichkeit Lohnersteigerungen für höher qualifiziertes Personal nach sich. Dies komme insbesondere auf Firmenchefs in ländlichen Gegenden zu, erklärte Unternehmensberater Christian Wegner. Dort liege der Stundenlohn häufig sehr niedrig. So verdiene ein gut ausgebildeter Koch zehn Euro pro Stunde. "Wenn ab Januar eine Küchenhilfskraft 8,50 bekommt, dann will der Koch natürlich auch mehr Geld. Ebenso der Restaurant-Leiter und die erste Service-Kraft." Das seien sehr hohe Zusatzkosten, die die Unternehmer gerade in Gegenden mit geringer Kaufkraft kaum auf Kunden umlegen können.

Taxi-Unternehmerin Carola Jahnke hingegen hat eine viel drängendere Sorge: Es gibt einfach nicht genügend Taxi-Kundschaft im Nordosten."Wir bekommen gar nicht so viel Geld rein, um Mindestlohn zahlen zu können." Sie befürchtet, dass etliche Taxi-Unternehmen aufgrund des Mindestlohns Konkurs anmelden müssen.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung