Nobelpreis für Medizin:

Naht jetzt die Rettung für Alzheimer-Kranke?

Ein virtuelles Muster im Gehirn ähnlich den Koordinaten einer Straßenkarte hilft Ratten dabei, sich zurechtzufinden. Für diese Entdeckung gab es nun den Nobelpreis für Medizin.

Der Hirnforscher Edvard Moser aus Norwegen erhält den Medizin- Nobelpreis
Christian Charisius Der Hirnforscher Edvard Moser aus Norwegen erhält den Medizin- Nobelpreis

Oft ist es eines der frühen Zeichen für Alzheimer: Betroffene verlaufen sich und finden nicht mehr nach Hause. Es sind die Nervenzellen des hirneigenen Navigationssystems, die bei Alzheimer-Patienten häufig zuerst absterben. Das System liefert mentale Landkarten zur Orientierung im Raum. Wie genau das passiert,
haben vor allem John O’Keefe sowie May-Britt und Edvard Moser entschlüsselt – und werden dafür jetzt mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt.

Die Entdeckung sei „von ziemlich großem Nutzen“, lobt Juleen Zierath, die Vorsitzende des Nobel-Komitees. Aufbauend auf den Erkenntnissen könnte sich der eingeschränkte Orientierungssinn von Alzheimer-Patienten künftig verbessern lassen, hoffen Forscher. „Aber da sind wir noch nicht. Das wird noch Zeit brauchen“, sagt Göran Hansson, Sekretär des Stockholmer Komitees.

Auch für andere neurologische Krankheiten sind die Ergebnisse bedeutsam

May-Britt und Edvard Moser hatten Ratten mit feinen Elektroden im Kopf in einer Arena umherlaufen lassen. Ihre überraschende Entdeckung: Bestimmte Zellen feuern immer nur an regelmäßig über die Fläche verteilten, virtuellen Knotenpunkten. Diese im Jahr 2005 entdeckten Rasterzellen überziehen
den Raum – ähnlich einem Koordinatensystem – mit einem Muster aus virtuellen Dreiecken.

Auch beim Menschen wurden solche Zellen inzwischen nachgewiesen. 2008 machte das Forscherpaar zudem die sogenannten Grenzzellen ausfindig, die Signale senden, wenn sich eine Ratte einem großen Hindernis nähert. Zudem gibt es eine Art Kompass aus Kopfrichtungszellen, die die jeweilige Blickrichtung mit der inneren Karte abgleicht.

Nicht nur Landkarten werden gesammelt

Neben Umgebungsplänen, werden auch Erinnerungen an Geschehnisse zusammen mit der Ortsinformation gespeichert, erklärte May-Britt Moser einmal. Das ist der Grund eines wohl jedem bekannten Phänomens: In der Küche beschließt man, etwas aus dem Keller zu holen, hat dort aber vergessen, was eigentlich. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Erinnerung am Ort des Beschlusses zurückkehrt – in der Küche also.

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