Ein Fall aus dem Leserhilfswerk:

Sorge um Enkel bringt Oma in Not

Nach viel Lauferei von einem Amt zum nächsten kann eine Frau aus Vorpommern kurz vor dem Weihnachtsfest aufatmen. Genug Sorgen hat sie trotzdem noch.

Das Leserhilfswerk der Kurierverlagsgruppe hilft Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.
nk Das Leserhilfswerk der Kurierverlagsgruppe hilft Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.

Das hatte sich An-gelika H. garantiert nicht träumen lassen. Ihre drei Kinder sind lange aus dem Haus. Jetzt wohnt bei ihr aber doch wieder ein junger Mann, für den sie Tag und Nacht da sein muss. Ein 13-jähriger Junge, ihr Enkel Moritz.

Schon immer hatte sich Angelika um Moritz gekümmert. Seine Mutter hatte Probleme mit Drogen, Therapien haben nicht geholfen. „Schon im Babyalter hat sie ihren Sohn hin- und hergeschoben“, sagt Angelika.

Sie sitzt nachdenklich im Wohnzimmer. Der Blick schweift über die Schrankwand, die schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Doch wie alle anderen Möbel und Einrichtungsgegenstände sieht alles sehr gepflegt, sehr sauber aus. Angelika hat ihre vier Wände in Schuss. „Ich habe vor Kurzem auch selbst gemalert“, sagt sie stolz.

Seit Jahren lebt die 60-Jährige von Arbeitslosengeld II

Anfang des Jahres zog Moritz endgültig bei ihr ein. Angelika kümmert sich gerne um den Enkel. Allein, ihr fehlen die finanziellen Mittel. Die gelernte Lagerfacharbeiterin verlor nach der Wende ihre Stelle. Danach schlug sie sich mit Gelegenheitsjobs oder aber Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durchs Leben. Seit Jahren lebt die 60-Jährige von Arbeitslosengeld II. Da muss sie jeden Euro dreimal umdrehen.

Den Zuschuss für Moritz kassierte allerdings immer noch die Mutter, obwohl er kaum noch Kontakt mit ihr hatte. Auch Moritz’ Vater kümmert sich nicht mehr um seinen Sohn. Monatelang kämpfte Angelika um das Geld. „Ich bin so lange gelaufen, bis ich mein Recht bekommen hatte“, sagt sie.

Jetzt bezahlt das Amt zwar die größere Wohnung für zwei Personen, und Angelika wirtschaftet auch so, dass es für das tägliche Brot reicht. Doch einen Jungen großzuziehen, dazu gehört mehr.

Moritz wächst aus den Klamotten heraus

Während seine Großmutter erzählt, sitzt Moritz daneben und hört zu. Er ist groß für sein Alter, sehr groß. Schon jetzt misst der 13-Jährige 1,75 Meter. „Die Ärzte haben ihm zwei Meter prophezeit“, seufzt Angelika.

Während sich andere Eltern möglicherweise über solch einen großen Jungen freuen, bereitet ihr das schier unaufhaltbare Wachstum des Enkels Sorgen. Er passt einfach nicht in die normalen Klamotten.

Vor allem aus der Winterbekleidung von vor einem Jahr ist Moritz rausgewachsen. „Wir brauchen warme Jacken, Hosen, Pullover – eigentlich alles“, sagt Angelika und zuckt mit den Schultern. Dass die Sachen teuer sind, ist das eine. Das andere, dass nicht alles für diese „Kindergröße“ in der Region rund um Pasewalk zu bekommen ist.

Der Junge hat nun ein stabileres Leben

Moritz lächelt seine Großmutter an, als wenn er ihr sagen will: Das werden wir auch schaffen. Beide sind froh, dass sich der Junge gefangen hat. Auch der angegriffene Gesundheitszustand hat sich stabilisiert, seit er bei der Oma lebt. In der Schule geht es ebenfalls wieder aufwärts. „In Mathe und Deutsch läuft es ganz gut“, sagt Moritz.

In der Feuerwehr hat er eine Beschäftigung gefunden, die ihm Spaß macht. „Die Jugendwehr hat jetzt sogar eine Auszeichnung bekommen. Wir dürfen alle in ein Spaßbad fahren“, sagt er. Das sind für andere Kinder vielleicht Selbstverständlichkeiten, für Moritz ist die Fahrt in die Therme ein Höhepunkt in seinem Leben.

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