Gesellschafts-Studie:

Ostdeutsche, der Rechtsextremismus und die DDR

Forscher aus Göttingen haben in Sachsen und Thüringen nach politischen Einstellungen gesucht. Befragt wurden dabei vor allem eine bestimmte Gruppe von Menschen.

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung stellt heute die Studie zu den Ursachen von Rechtsextremismus in Ostdeutschland vor.
Arno Burgi Die Ostbeauftragte der Bundesregierung stellt heute die Studie zu den Ursachen von Rechtsextremismus in Ostdeutschland vor.

Ostdeutsche sind nach einer neuen Studie in besonderer Weise anfällig für Rechtsextremismus. Gründe dafür seien zwei aufeinanderfolgende Diktaturen, die Homogenität der einstigen DDR-Gesellschaft und die Veränderungen nach dem Mauerfall, heißt es in der aus der Untersuchung des Göttinger Instituts für Demokratieforschung. Die Analyse wurde am Mittag von der Bundesbeauftragten für die neuen Länder, Iris Gleicke, in Berlin vorgestellt.

Die Studie attestiert der ostdeutschen Zivilgesellschaft eine wesentliche höhere Anfälligkeit für Rechtsextremismus, was in erster Linie mit der Geschichte der DDR begründet wird. Die Autoren der Studie diagnostizieren in Dresden beispielsweise eine "Erinnerungskultur, die den eigenen Opferstatus mythologisch überhöht" oder in ganz Sachsen "ein großes Unbehagen am Politischen, das unter anderem auf die Erfahrungen mit der Staatspolitisierung" aus DDR-Zeiten zu tun habe.

Gespräche mit 40 Menschen aus drei Orten

Basis der Studie sind Gespräche, die die Göttinger Forscher mit insgesamt knapp 40 Personen in drei Orten in Sachsen und Thüringen geführt haben: Freital und Heidenau bei Dresden sowie dem Erfurter Stadtteil Herrenberg. Allen drei Orten waren in der Vergangenenheit durch rechtsextreme Ausschreitungen bekannt geworden.

Die von den Wissenschaftlern befragten Personen waren bis auf drei Ausnahmen keine "einfachen" Bürger, sondern Funktionsträger aus Politik und Verwaltung sowie aus Vereinen und Institutionen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren. Inwieweit diese Auswahl von Gesprächspartnern die Studie beeinflusst haben könnte, problematisieren die Autoren in dem Papier nicht.