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Plötzlich HIV-positiv

Auch nach Jahren intensiver Aufklärung bleibt die Zahl der HIV-Neuinfektionen hoch. Besonders betroffen sind die Jüngeren. Darauf macht auch der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember aufmerksam.

Seit Jahren hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wieder eine groß angelegte Plakataktion ins Leben gerufen, die in der Gesellschaft auch beachtet wird.
Stefan Sauer Seit Jahren hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wieder eine groß angelegte Plakataktion ins Leben gerufen, die in der Gesellschaft auch beachtet wird.

Doreen (33) strahlt. Das liegt nicht nur an ihrer Vorliebe für Pink, die sich an diesem Tag in dem modischen Flanellhemd, Lidschatten und Rouge zeigt, sondern vor allem an ihren lachenden Augen. „Mir geht es echt gut. Ich genieße heute das Leben mehr als vorher“, sagt die junge Frau, die seit acht Jahren mit dem Befund HIV-positiv lebt und jeden Tag Tabletten schluckt, um den Immunschwäche-Erreger in Zaum zu halten.

Acht weitere Jahre hat Doreen, die sich an der Kampagne zum Welt-Aids-Tag an diesem Sonntag beteiligt, von der Infektion nicht mal etwas geahnt. Angesteckt hatte sie sich bei ihrer ersten großen Liebe mit 17 Jahren. Zehn Monate waren die beiden zusammen, verhüteten nach einiger Zeit mit Pille statt mit Kondom. „Dass er nebenher noch andere Affären hatte, hab ich erst später erfahren.“ Heute kann sie das mit einem Lächeln tun. „Damals hat es mich umgehauen, als ich von der Diagnose erfuhr. Ich konnte es mir überhaupt nicht vorstellen, dass HIV oder Aids etwas mit mir zu tun haben sollten.“

„HIV ist viel mehr als vor Jahren in die gesamte Bevölkerung gestreut“, sagt Armin Schafberger von der Deutschen Aidshilfe. Grund dafür sind vor allem Datingportale und Chatrooms im Internet. „Heute ist es auch auf dem Land oder in der Kleinstadt möglich, noch für den selben Abend einen Sexualpartner zu finden“, sagt Schafberger.

Auch Doreen, die heute ehrenamtlich in Braunschweiger Schulen über ihr Schicksal erzählt, will sich künftig für mehr HIV-Aufklärung im Web engagieren – mit selbstgemachten Videos. „Und mein größter Wunsch ist auch in Erfüllung gegangen“, sagt sie mit Blick auf die Kampagne zum Welt-Aids-Tag: „Ich bin riesiger Sarah-Connor-Fan. Und auf den Kampagnen-Fotos ist Sarah nun an meiner Seite. Das ist grandios!“