Waffeneinsatz bleibt konstant:

Polizisten schießen an jedem zehnten Tag

Polizeischüsse auf Menschen sind keine Ausnahmeerscheinung. Im vergangenen Jahr wurden 36 Fälle gezählt – exakt so viele Extremsituationen wie im Vorjahr.

Oft müssen sich die Beamten in Sekundenbruchteilen verteidigen, wenn ihre Waffe noch im Holster steckt. Aus diesem Grund ist es für Schutzpolizisten in einigen Bundesländern Pflicht, die Pistole schussbereit zu tragen.
Swen Pförtner Oft müssen sich die Beamten in Sekundenbruchteilen verteidigen, wenn ihre Waffe noch im Holster steckt. Aus diesem Grund ist es für Schutzpolizisten in einigen Bundesländern Pflicht, die Pistole schussbereit zu tragen.

Wie oft schießen Polizisten im Einsatz?

Im Jahr 2012 haben Polizisten nach der offiziellen Statistik aus der Innenministerkonferenz bundesweit in 36 Fällen auf Menschen geschossen, davon 35-mal in lebensbedrohlichen Situationen und ein Mal, um die Flucht bei einem Schwerverbrechen zu vereiteln. Den Angaben zufolge fielen von 1998 bis 2012 insgesamt 656-mal gezielte Polizeischüsse, rechnerisch ist das fast jede Woche. Statistisch erfasst werden nur die Fälle, nicht die Zahl der abgefeuerten Kugeln.

Sind die meisten Schüsse aus Polizeiwaffen tödlich?

Nein. In den 36 Fällen 2012 gab es 8 Tote und 20 Verletzte, 2011 waren es 6 Tote und 15 Verletzte. Von 1998 bis einschließlich 2012 nennen die Statistiken insgesamt 109 Tote und 367 Verletzte.

Wann ist für Polizisten das Schießen auf Menschen erlaubt?

Die Beamten dürfen ihre Waffen nur in Extremsituationen einsetzen. Gründe sind meist Notwehr oder der Schutz eines Bedrohten. Das Schießen ist im Ernstfall aber auch erlaubt, wenn schwere Verbrechen oder die Flucht eines gefährlichen Täters nicht anders zu verhindern sind. Immer muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

Falls möglich, muss der Gebrauch der Waffe angedroht oder ein Warnschuss abgefeuert werden – wenn es die Umgebung zulässt. Schon der Warnschuss ist riskant: Prallt die Kugel irgendwo ab, ist sie noch immer eine Gefahr. Und in die Luft geschossen, rauscht das Projektil aus großer Höhe wieder herunter – womöglich auf Menschen.

Wie trainieren Polizisten das Schießen?

Die Notwehrsituationen, in denen sich Polizisten mit der Waffe verteidigen dürfen, beeinflussen auch das Schießtraining und die Bauart der meisten Polizeiwaffen.

So üben Schutzpolizisten regelmäßig sogenannte Deut-Schüsse – gemeint ist damit das Ziehen der Waffe und das sofortige Abdrücken ohne genaues Anvisieren des Ziels. Denn oft müssen sich die Beamten in Sekundenbruchteilen verteidigen, wenn ihre Waffe noch im Holster steckt. Aus diesem Grund ist es für Schutzpolizisten in einigen Bundesländern Pflicht, die Pistole schussbereit zu tragen, also durchgeladen. Im Fachjargon heißt das „streifenfertig“. Im Ernstfall wird nur noch abgedrückt. Auch möglichst nicht-tödliche Treffer sind ein Teil der Schießausbildung.

Wie verkraften Polizisten den Ernstfall?

Der Polizist Oliver Tschirner hat 2009 für eine Masterarbeit an der Hochschule der Deutschen Polizei in Münster Polizisten befragt, die im Dienst einen Menschen getötet haben. Eines seiner Ergebnisse: Viele Polizisten sind nach einer solchen Tat ein Leben lang traumatisiert. Nur ein Drittel kehre bald in den Dienst zurück. Beim zweiten Drittel gelten die Folgen als langwierig, oft müssen die Kollegen in den Innendienst wechseln. Das letzte Drittel leide fortwährend an den Folgen und sei auf lange Sicht therapiebedürftig.

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