Lokführer-Streik:

Reisende auf Bahnhöfen gestrandet

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat die Gewerkschaft der Lokführer den Bahnverkehr lahmgelegt. Während es die Fahrgäste ärgert, freuen sich die Mitglieder einer anderen Berufsgruppe.

Mitglieder der Lokführergewerkschaft GDL gehen nach Streikbeginn über den Bahnhof in Rostock.
Bernd Wüstneck Mitglieder der Lokführergewerkschaft GDL gehen nach Streikbeginn über den Bahnhof in Rostock.

Der Streik der Lokführer hat am Mittwoch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg den Großteil der Züge der Deutschen Bahn lahmgelegt. Etwas mehr als 100 Lokführer, Zugbegleiter und Disponenten legten in MV die Arbeit nieder.

Auf dem Schweriner Hauptbahnhof wartete eine Menschenschlange vor dem Informationsschalter. Trotz des Arbeitskampfes kamen Züge an - entweder die letzten Züge der Deutschen Bahn oder die Triebwagen der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft ODEG, bei der nicht gestreikt wurde. Die meisten Reisenden wollten nach Hamburg weiter.

Taxifahrer profitieren vom Streik

Das Verständnis für die Streikenden hielt sich in Grenzen, einige Betroffene reagierten frustriert. „Sowas muss man doch vernünftig am Runden Tisch klären“, schimpfte Elke Schenke aus Berlin, die mit ihrer Freundin nach Hamburg wollte. Zusätzlich zu dem im Voraus gekauften günstigen Bahnticket griffen die Frauen nun tief in die Tasche, suchten noch einen Mitfahrer und bezahlten gemeinsam 150 Euro für ein Taxi. Das Geld war es auch Nico Müller aus Stralsund wert, am Donnerstag früh rechtzeitig in Hamburg zur Arbeit zu sein.

Bereits Stunden vor Beginn des für 14.00 Uhr angekündigten Streiks war der Zugverkehr stark beeinträchtigt. „Im Fernverkehr haben wir erheblich Einschränkungen, der Notfahrplan läuft“, sagte ein Bahnsprecher. Hintergrund der frühen Ausfälle sei, dass die Züge nach Streikende am Donnerstag um 4.00 Uhr bereits an ihren Einsatzorten stehen sollen. So fielen unter anderem Verbindungen von Rostock, Schwerin und Neubrandenburg nach Kopenhagen, Frankfurt/Main und München laut Fahrplanauskunft der Bahn aus. In Brandenburg wurden auf den Linien RE 1, 5 und 7 seit Mittwochmittag einige Züge herausgenommen.

Bahn hat bereits vorher Züge gestoppt

Der Landesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes dbb und GDL-Ortsgruppenvorsitzende in Schwerin, Dietmar Knecht, sagte: Die 100 Prozent Stillstand sind ein großer Erfolg.“ Für die Zugausfälle vor 14.00 Uhr hatte er kein Verständnis. Statt 40 Zügen im Land sei nur einer gefahren. „Die Deutsche Bahn bestreikt sich selbst“, sagte er. Ansonsten wären bis zum Streikbeginn alle Züge unterwegs gewesen, zum Teil auch länger, um einen größeren Bahnhof zu erreichen. „Auf der Strecke geblieben wäre kein Reisender“, meinte er. Die Lokführer fuhren die Züge auch noch ins Depot und ließen sie nicht auf den Bahnhöfen stehen.

Nach Angaben eines Bahnsprechers war es das Ziel des frühen „Herausnehmens“ von Zügen, dass die Strecken nicht mit Zügen zugestellt sind. So sollte erreicht werden, dass der Berufsverkehr am Donnerstag so weit wie möglich planmäßig anlaufen kann. „Wir wollen dann nicht vor einem großen Berg stehen, der erst abgearbeitet werden muss.“

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber verurteilte den Streik. „Es ist ein rücksichtsloses Treiben auf dem Rücken unserer Kunden und des Unternehmens.“ Besonders dreist sei der flächendeckende Arbeitskampf, da gerade verabredet worden sei, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. Für Mittwoch und Donnerstag waren vertrauliche Treffen verabredet. „Diese Chance wird durch den Streik mutwillig vertan.“

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