Zeiten ändern sich:

Rente mit 73 ist keine Utopie mehr

Frauen und Männer in Deutschland leben länger. Deshalb können sie auch länger ihre Rente genießen - auch im Nordosten. Für die Beitragszahler und künftige Senioren bleibt diese Entwicklung allerdings nicht folgenlos.

Morgen wird alles anders: Wirtschaftswissenschaftler denken über deutlich längeres Arbeiten nach.
Jens Kalaene/Symbolbild Morgen wird alles anders: Wirtschaftswissenschaftler denken über deutlich längeres Arbeiten nach.

Frauen aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg profitieren deutlich länger von der höheren Lebenserwartung als ihre Altersgenossinnen im Rest Deutschlands. So bezogen Rentnerinnen in MV und Brandenburg im Jahr 2015 durchschnittlich 24,7 Jahre Altersrente. Das ist ein Spitzenwert. Nur die Seniorinnen in Thüringen können sich mit 25,1 Jahren länger über ihre Rente freuen. Die durchschnittliche Rentenbezugsdauer bei Frauen betrug im vergangenen Jahr in Deutschland 22,8 Jahre, bei Männern 18,9 Jahre. Die Senioren in MV (18,3 Jahre) und Brandenburg (18,1) liegen leicht unter dem Durchschnitt von Deutschlands alten Männern, was die Dauer der Rentenzahlung betrifft.

2010 betrug die Rentenbezugsdauer in Deutschland 22,1 Jahre (Frauen) sowie 17,5 Jahre (Männer). Schon damals lagen die Seniorinnen im Nordosten deutlich über dem Durchschnittswert. Die Erklärung für die deutschlandweit längere Rentenbezugsdauer liegt in der gestiegenen Lebenserwartung. Im vergangenen Jahr hatten Frauen im Durchschnitt bis zum Alter von 84 Jahren Renten bezogen, Männer bis knapp 80 Jahre.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Kaum waren die Zahlen veröffentlicht, entbrannte erneut die Debatte über längeres Arbeiten und ein höheres Renteneintrittsalter. Es mache viel Sinn, die Lebensarbeitszeit und die Lebenserwartung in einen fast automatischen Zusammenhang auch in der Rentenformel zu bringen, hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bereits im April gesagt. Nun wird die Forderung von der Jungen Union und Wirtschaftspolitikern von CDU und CSU noch einmal aufgenommen.

Die neuen Zahlen würden zeigen, dass es nur gerecht sei, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, erklärt Paul Ziemiak, Chef der Jungen Union. Über die Rente mit 67 hinaus müsse ein Mechanismus greifen, dass ein Drittel der gestiegenen Lebenserwartung zu längerer Arbeitszeit werde, so der CDU-Politiker.

Rente mit 73 vorgeschlagen

Der Chef des Parlamentskreises Mittelstand, Christian von Stetten (CDU), erklärte, durch „die unsinnige Einführung der Rente mit 63“ werde die Situation der künftigen Rentner „zusätzlich verschärft“. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) sprach sich für die Einführung der Rente mit 73 bis spätestens zum Jahr 2043 aus. Die SPD hatte sich schon mehrfach gegen Überlegungen gestellt, das Alter für den abschlagsfreien Renteneintritt weiter zu erhöhen. Im Koalitionsvertrag von CDU und CSU war das heikle Thema ausgeklammert worden.

Schon jetzt zeigt sich, dass ältere Arbeitnehmer in Deutschland länger im Job bleiben als noch vor wenigen Jahren. Die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen ist im vergangenen Jahr gegenüber 2013 um drei Prozentpunkte auf 53 Prozent gestiegen, heißt es im Rentenversicherungsbericht 2015. Der Anteil der erwerbstätigen Männer zwischen 60 und 64 Jahren nahm demnach im Zeitraum zwischen 2000 und 2014 um rund 32 Prozentpunkte auf 59 Prozent zu – eine bemerkenswerte Entwicklung. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter betrug im vergangenen Jahr 64,1.

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