Nach der Bundestagswahl:

Rettung, Rücktritte und Rekorde

Eigentlich kann es nur eine große Koalition werden. Doch die Begeisterung hält sich in Grenzen.

Der tiefe Sturz der FDP und die Niederlage der Grünen bei der Bundestagswahl haben zu ersten personellen Konsequenzen geführt. FDP-Chef Philipp Rösler trat am Tag nach der Wahl zurück, der nordrhein-westfälische Parteichef Christian Lindner steht bereits in den Startlöchern.

Auch die Grünen stehen vor einem personellen Neuanfang. Die Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir schlugen den Rücktritt des gesamten Bundesvorstands vor. Die Sondierungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine stabile neue Regierung gestalten sich trotz des Traumergebnisses bei der Wahl schwierig.

Erstes Gespräch mit SPD-Chef Gabriel

Merkel bestätigte, dass es erste Gespräche mit SPD-Chef Sigmar Gabriel über eine erneute große Koalition gegeben habe. Dieser habe aber darauf verwiesen, dass die SPD erst ihren Konvent an diesem Freitag abhalten wolle. Zudem ließ die CDU-Chefin erkennen, dass sie auch zu den Grünen Kontakt aufnehmen wolle.

Führende SPD-Politiker wollten sich noch nicht auf eine große Koalition festlegen. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sieht die Möglichkeit einer großen Koalition mit der Union kritisch. Sie sei sich nicht sicher, ob eine große Koalition der politische Ausweg sei, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin. In einem Regierungsbündnis müssten auch die Inhalte zusammenpassen. "Das ist angesichts der Themen, die wir setzen und die die CDU gesetzt hat - oder eher nicht gesetzt hat, sehr, sehr schwierig." Eine Koalition mit Grünen und Linken lehnte Schwesig erneut ab.

Der Nordosten ist Merkel-Land

Mit dem besten Bundestagswahl-Ergebnis ihrer Geschichte hat die CDU in Mecklenburg-Vorpommern für einen Paukenschlag gesorgt und alle anderen Parteien klar distanziert. Die Union erreichte im Nordosten nach dem vorläufigen Endergebnis 42,5 Prozent der Stimmen. Die Landespartei lag damit sogar noch etwas besser als die Union bundesweit, die mit Kanzlerin Angela Merkel an der Spitze fast 42 Prozent erreichte und damit die absolute Mehrheit im Parlament nur knapp verfehlte.

Die CDU gewann alle Wahlkreise in Mecklenburg-Vorpommern und stellt mit ihren sechs direkt gewählten Parlamentariern aller Voraussicht nach so viele Abgeordnete wie SPD und Linke mit je drei zusammen.

Merkels Erststimmenergebnis lag bei 56,2 Prozent. Damit lag sie noch einmal 7 Prozentpunkte über ihrem bisherigen Rekordergebnis von 2009.

Überraschung in Brandenburg

Auch in Brandenburg war die CDU erstmals stärkste Partei vor der SPD. Sie holte laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 34,8 Prozent der Zweitstimmen und neun von zehn Direktmandaten. Der SPD bleibt nur eines - das ihres Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier, der auch Bundestagsfraktionsvorsitzender ist. Auf die Sozialdemokraten entfallen 23,1 Prozent der Stimmen. Die Linke kommt auf 22,4, Bündnis 90/Die Grünen erzielt 4,7 Prozent. Die FDP erhält 2,5 Prozent der Zweitstimmen, die Piraten 2,2 und die rechtsextreme NPD 2,6 Prozent. Die euroskeptische Alternative für Deutschland (AfD) kommt auf 6 Prozent. 

Indes gerettet ist die FDP in Hessen: Erst mit der Bekanntgabe des vorläufigen amtlichen Endergebnisses am Montagmorgen um 2.30 Uhr stand fest, die Liberalen haben den Sprung in den Landtag gerade so geschafft.

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