Supermarkt geht mutigen Schritt:

Rewe verbannt die Plastiktüte

Als erster großer Lebensmittelhändler in Deutschland verzichtet der Handelsriese komplett auf die umweltschädlichen Tragehilfen. Dafür gibt es Lob von Umweltschützern und Marketingexperten. Doch ganz allein ist Rewe mit seinem Schritt nicht.

Die Rewe Group möchte eine Reduzierung von Plastikmüll erreichen und verzichtet in Zukunft in ihren Märkten auf Plastiktüten.
Rolf Vennenbernd Die Rewe Group möchte eine Reduzierung von Plastikmüll erreichen und verzichtet in Zukunft in ihren Märkten auf Plastiktüten.

Eilige Einkäufer werden schon bald bei Rewe an der Kasse vergeblich nach einer Plastiktüte fragen. Als erster großer deutscher Lebensmittelhändler stoppt der Kölner Handelsriese in seinen Supermärkten komplett den Verkauf der umweltschädlichen Tragehilfen. Das nützt der Umwelt, und wohl auch dem Image von Rewe.

Rund 140 Millionen Plastiktüten will die Handelskette im Jahr einsparen. Gemessen an den rund sechs Milliarden Tüten im Jahr, die in Deutschland insgesamt verbraucht werden, ist dies zwar nicht viel mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Dennoch geht die Handelskette damit einen großen Schritt weiter als die rund
300 Einzelhandelsunternehmen, die sich seit Ende April freiwillig verpflichtet haben, Geld für die umweltschädlichen Tragebeutel zu nehmen, um den Plastiktütenverbrauch in Deutschland zu senken.

„Das ist ein entscheidender erster Schritt“, lobte der Präsident der Umweltschutzorganisation Nabu, Olaf Tschimpke. Es gehe darum, dass Kunden lernten, dauerhaft auf wiederverwendbare Taschen umzusteigen. Der Großteil von Abfällen wie Tüten und Verpackungen gelange vom Land ins Meer: „Die Reduktion von Plastiktüten ist ein wichtiger Anfang.“ Ganz allein ist Rewe mit dem Verzicht auf Plastiktüten nicht. Der Textildiscounter KiK etwa hat schon seit Oktober 2015 aus Umweltschutzgründen keine klassischen Plastiktüten mehr im Angebot. Auch der Sportartikelhersteller Adidas verzichtet seit Ende April in allen eigenen Geschäften auf die Tüten und will dadurch rund 70 Millionen Stück im Jahr einsparen.

Die meisten Rewe-Konkurrenten im Lebensmittelhandel halten dagegen weiter an der Tüte fest. Das erklärten beispielsweise Aldi, Lidl, Edeka, Kaufland oder Netto (ohne Hund) auf Anfrage. Sie alle verwiesen aber darauf, dass sie bereits Tüten im Angebot haben, die ein Umweltsiegel tragen oder Tragetaschen, die aus bis zu 80 Prozent wiederverwerteten PET-Flaschen bestehen.  

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