Proteste von Amnesty International:

Scharfe Kritik an WM-Gastgeber Katar

Seit der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar im Dezember 2010 reißt der Protest an dem Turnier nicht ab. Warum, erklären wir hier.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat in Katar, Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, ein "alarmierendes Ausmaß an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit" festgestellt.
Amnesty International Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat in Katar, Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, ein "alarmierendes Ausmaß an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit" festgestellt.

Warum ist die WM in Katar so umstritten?

Nach der überraschenden Vergabe der WM 2022 an Katar kam es schnell zu Berichten über angebliche Bestechung von Fifa-Funktionären und politischer Einflussnahme. Einen Beweis für Korruption gibt es bis heute aber nicht. Problematisch für den Fußball ist die extreme Hitze in Katar. Eine Verlegung in die Wintermonate wird mittlerweile auch von der Fifa gewünscht, stößt aber auf Widerstand aus den europäischen Topligen. Auch die Bundesliga müsste ihren Spielrhythmus komplett umstellen. Dritter großer Kritikpunkt sind die nun auch von Amnesty International dokumentierten Menschenrechtsverletzungen und miserablen Bedingungen für die Arbeitskräfte auf den Baustellen.

Wieso nimmt die Fifa Katar die WM nicht einfach wieder weg?

Mit der Vergabe an Katar hat die Fifa rechtsgültige Verträge mit dem Emirat geschlossen. Eine Aberkennung hätte rechtlich wie finanziell kaum absehbare Konsequenzen. Die WM ist die einzige maßgebliche Einnahmequelle des Weltverbandes. Obwohl milliardenschwer würde eine Neuvergabe auch ökonomisch für die Fifa ins Gewicht fallen. Und nicht weniger maßgeblich: Ein unglaublicher Imageschaden würde die Reputation des Weltverbandes erschüttern.

Könnte eine andere Institution oder Organisation die WM in Katar verhindern?

Nein. Die WM ist eine Fifa-Veranstaltung. Auch das Internationale Olympische Komitee hat keine Handhabe. Nur großer politischer Druck könnte die Fifa oder Katar in die Knie zwingen. Dies ist jedoch kaum zu erwarten. Im Gegenteil: Viele Länder versprechen sich einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit Katar und der gesamten Golfregion.

Wie geht Katar mit der internationalen Kritik um?

Die Problematik wird am Golf erkannt. Ob aus Einsicht oder eher politischer Notwendigkeit wurden Reformen des Arbeitsrechts angekündigt. Als unmittelbare Reaktion auf den Amnesty-Report berichtete die offizielle Nachrichtenagentur QNA außerdem, dass internationale Rechtsanwälte beauftragt worden seien, die Lage zu prüfen.

Was tun deutsche Fußball-Funktionäre und wie weit reicht ihre Macht?

Franz Beckenbauer war bei der WM-Vergabe als Mitglied des Exekutivkomitees stimmberechtigt, votierte aber nicht für Katar. Die Kritik kann der „Kaiser“ allerdings nicht verstehen. Sein Nachfolger im Fifa-Amt, Theo Zwanziger, gilt hingegen als großer Katar-Gegner und dürfte hinter den Kulissen Lobby-Arbeit betreiben. Öffentlich opponierte kürzlich DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ungewöhnlich massiv.