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Wurde Arafat vergiftet?

Seit dem Tod des legendären Palästinenserführers Arafat wird über eine Vergiftung spekuliert. Jetzt haben Schweizer Experten offenbar Beweise gefunden.

Vor knapp neun Jahren ist Jassir Arafat in einem Krankenhaus bei Paris gestorben.
Atef Safadi Vor knapp neun Jahren ist Jassir Arafat in einem Krankenhaus bei Paris gestorben.

Die meisten Palästinenser sind seit dem Tod des früheren PLO-Chefs Jassir Arafat 2004 felsenfest davon überzeugt, dass er vergiftet wurde. Und zwar von den Israelis. Letztere Behauptung ist reine Spekulation. Aber zumindest für den Verdacht des Giftmordes gibt es jetzt einen handfesten Hinweis: Schweizer Experten fanden an Proben Arafats eine 18-mal höhere Konzentration an Polonium als normal, berichten übereinstimmend der TV-Sender Al-Dschasira und der britische „Guardian“.

Die Proben waren bei einer Exhumierung vor knapp einem Jahr in Ramallah entnommen worden. Al-Dschasira zitierte Arafats Witwe Suha mit den Worten: „Dies ist das Verbrechen des Jahrhunderts“. Allerdings haben russische Experten, die ebenfalls Proben entnommen und untersucht hatten, mitgeteilt, der im Alter von 75 Jahren in einem französischen Militärhospital gestorbene Arafat sei auf keinen Fall mit Polonium vergiftet worden. Ein drittes Gutachten aus Frankreich steht noch aus.

Mit derselben Substanz war Ex-KGB-Agent vergiftet worden

Die Schweizer hatten die Aktion mit Untersuchungen von persönlichen Gegenständen Arafats ins Rollen gebracht. Experten des Institut de radiophysique der Uniklinik in Lausanne fanden im Juli 2012 erhöhte Werte des radioaktiven Stoffes Polonium unter anderem an Arafats Unterhose. Mit derselben Substanz war Ex-KGB-Agent Alexander Litwinenko 2006 in London vergiftet worden.

Die Exhumierung des Palästinenserführers, der oft mit dunkler Sonnenbrille und olivgrüner Militäruniform auftrat, war nicht unumstritten. Arafat ist in der Erinnerung vieler Palästinenser seit seinem Tod fast zu einem Volksheiligen aufgestiegen. Auch die mögliche Verletzung religiöser Gefühle verzögerte die Graböffnung immer wieder.

Eine Strafanzeige der Arafat-Witwe in Frankreich wegen Giftmordes machte die Entscheidung nicht einfacher, weil die Exhumierung daraufhin auch noch mit den französischen Ermittlungsbehörden abgestimmt werden musste. Der französische Strahlenmediziner Roland Masse gab sich skeptisch. Es sei „absolut unmöglich“, dass Arafat mit Polonium-210 vergiftet worden sei, sagte er im vergangenen Jahr.