Die Wirtschaft läuft Sturm:

Schwesig will 32-Stunden-Woche für Eltern

Beruf und Familie sollen besser vereinbar sein. Die Familienministerin will dafür die Arbeitszeit reduzieren.

Die Pläne von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig sorgen für Wirbel.
Maurizio Gambarini Die Pläne von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig sorgen für Wirbel.

Zurück zur 32-Stunden-Woche? Geht es nach Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), sollen Eltern künftig in den ersten zwei Jahren nach Geburt ihres Kindes die Arbeitszeit reduzieren können und das neue „Elterngeld Plus“ erhalten – plus Bonus, falls beide Partner die Stundenzahl reduzieren. Schwarz-Rot plant auch einen neuen Rechtsanspruch auf die Rückkehr auf eine Vollzeitstelle, wenn vorher die Arbeitszeit nach der Geburt eines Kindes reduziert worden ist. „Meine Vision ist die Familienarbeitszeit. Das bedeutet, wir müssen Vollzeit für Eltern neu definieren“, schlägt Schwesig nun vor. Für Eltern mit kleinen Kindern solle Vollzeit nicht 40, sondern zum Beispiel 32 Wochenstunden bedeuten.

Gerade erst hatte Schwesig angekündigt, selbst dann und wann ihre Arbeitszeit im Familienministerium in Berlin zu reduzieren, um etwa ihren Sohn in der Nähe von Schwerin von der Schule abzuholen oder im „Home Office“ zu arbeiten. Nun löst sie eine Kontroverse über die Arbeitszeiten von Millionen Eltern mit kleinen Kindern aus. Von den Gewerkschaften kommt erwartungsgemäß Beifall.

Für mittelständische Betriebe kaum praktikabel

Doch bei der Wirtschaft stoßen die Ankündigungen der Familienministerin auf heftigen Widerspruch. Gegenwind kommt – trotz Vereinbarungen zur reduzierten Familienarbeitszeit im Koalitionsvertrag – auch aus Teilen der Union. „Vollzeit muss Vollzeit bleiben“, forderte CSU-Mittelstandschef Hans Michelbach. Eine Arbeitszeit von 32 Stunden in der Woche sei „kaum praktikabel“ für viele mittelständische Betriebe, so Carsten Linnemann, CDU-Vorstandsmitglied und Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung MIT.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) äußerte ebenfalls Bedenken. „Acht von zehn Unternehmen bieten bereits flexible Arbeitszeiten an, jedes dritte unterstützt bei der Betreuung. Zusätzliche gesetzliche Ansprüche verhindern hingegen eher passende Lösungen in den Unternehmen und sind leider oft von mangelndem Verständnis für betriebliche Notwendigkeiten geprägt“, erklärte DIHK-Vize-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Grundsätzlich könne die vollzeitnahe Teilzeit zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf „ein sinnvolles Modell sein“. Die konkrete Ausgestaltung müsse aber in den Betrieben gefunden werden. „Wir brauchen keine starren staatlichen Vorgaben zur Arbeitszeit. Die betriebliche Realität ist längst von flexiblen Arbeitszeiten geprägt“, heißt es bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte hingegen, es gebe in deutschen Unternehmen weiterhin einen regelrechten „Anwesenheitswahn“. „In keinem anderen Land der EU ist der Unterschied zwischen der tatsächlichen und der gewünschten Arbeitszeit so groß wie in Deutschland“, so DGB-Vize Elke Hannack. Mit Wünschen nach einer Balance von Arbeit und Privatleben würden die meisten Beschäftigten „an starren Arbeitszeitregelungen und einer ausgeprägten Präsenzkultur“ scheitern: „Diese Rahmenbedingungen machen es den meisten Paaren auch unmöglich, Erwerbstätigkeit, Hausarbeit und Familienpflichten partnerschaftlich miteinander zu vereinbaren.“

Was halten Sie von der 32-Stunden-Woche für Eltern?

Nette Idee, aber wer soll es bezahlen?
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Sollte unbedingt eingeführt werden
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Ich empfinde es als Diskriminierung gegenüber Kinderlosen
21% (12 Stimmen)
Ich habe keine Meinung dazu
2% (1 Stimme)
Gesamtstimmen: 56
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