Bilder wie aus Guantanamo:

Sicherheitsleute sollen Flüchtlinge misshandelt haben

Schrecklicher Vorfall in einem Asylbewerberheim: Sicherheitsleute sollen Flüchtlinge gequält haben. Ein Handyfoto zeigt ein Opfer gefesselt am Boden. Der Heimbetreiber bewirtschaftet auch fünf Unterkünfte von Vorpommern-Greifswald.

Ein Handyfoto als Beweis dafür, dass es in der Notunterkunft zu gewalttätigen Übergriffen gekommen ist.
Polizei NRW Ein Handyfoto als Beweis dafür, dass es in der Notunterkunft zu gewalttätigen Übergriffen gekommen ist.

Sie kommen nach Deutschland, um sich vor Krieg und Gewalt in ihrer Heimat zu retten – und landen hier in den Fängen brutaler Sicherheitsleute. Im siegerländischen Burbach sind in einer Flüchtlingsunterkunft mindestens zwei Männer von Mitarbeitern eines privaten Wachdienstes misshandelt und gedemütigt worden. Die Täter filmten und fotografierten sich dabei sogar per Handy.

Ein Foto gaben die Ermittler am Sonntag an die Presse. Die Aufnahme ist schockierend. Ein junger Mann liegt gefesselt am Boden, den Fuß eines Wachmanns im Nacken, sein Kollege posiert daneben. „Das sind Bilder, die man sonst nur aus Guantanamo kennt“, sagte der Hagener Polizeipräsident Frank Richter mit Blick auf das umstrittene US-Gefangenenlager.

Insgesamt wird gegen vier Beschuldigte ermittelt

Der Staatsschutz ermittelt, weil ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht ausgeschlossen scheint. „Wir haben aber bislang keine Erkenntnisse, dass die Tatverdächtigen der rechten Szene angehören“, sagte Richter. Möglicherweise seien die Männer überfordert gewesen oder einfach charakterlich ungeeignet.

Insgesamt wird gegen vier Beschuldigte ermittelt. Er sei bestürzt gewesen, als er das Video gesehen habe, sagte Oberstaatsanwalt Johannes Daheim. „Da sitzt ein Mann auf einer mit Erbrochenem verschmutzten Matratze und wird gezwungen, sich hinzulegen“, schilderte er. „Es ist entsetzlich, wenn man sich vorstellt, dass zu uns Leute kommen aus anderen Ländern, die dort Gewalt erlitten haben und hier Schutz suchen und dann so einer Situation ausgesetzt werden.“

Das Video wurde einem Journalisten zugespielt

Dieses Video war es auch, das die umfangreichen Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte. Es wurde einem Journalisten zugespielt, der wandte sich an die Polizei. Bei einem der Beschuldigten wurde dann das Foto gefunden, das den am Boden liegenden Mann in Fesseln zeigt, dem ein Wachmann den Fuß in den Nacken setzt. „Beide Sicherheitsleute grinsen“, sagte Richter.

Der für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständige Regierungspräsident Gerd Bollermann (SPD) hat klargestellt, dass das betroffene Sicherheitsunternehmen „rausfliegt“. Künftig will die Bezirksregierung Wachleute strenger überprüfen lassen.

Im Nordosten ist ein anderer Sicherheitsdienst engagiert

Die Sicherheitsfirma, auf deren Mitarbeiter die Übergriffe zurückgehen sollen, arbeitete für das Essener Unternehmen „European Homecare“, das die betroffenen Flüchtlingsunterkünfte betreibt. Die Essener Firma bewirtschaftet auch im Landkreis Vorpommern-Greifswald fünf Heime für Asylbewerber, unter
anderem in Anklam und Torgelow.

Zwar werden auch diese Heime von einem privaten Sicherheitsunternehmen bewacht. Dabei handelt es sich allerdings um eine Greifswalder Firma und keineswegs um dieselbe Sicherheitsfirma, deren Mitarbeiter die Taten in Nordrhein-Westfalen begangen haben sollen, stellte der Sozialdezernent des Landkreises, Dirk Scheer, am Sonntagabend gegenüber dem Nordkurier klar.

Auch habe nicht – wie in Nordrhein-Westfalen – die Betreiberfirma der Heime den Sicherheitsdienst beauftragt, sondern der Landkreis direkt: „Sowohl für die Betreiberfirma als auch für den Sicherheitsdienst würde ich zum jetzigen Zeitpunkt meine Hand ins Feuer legen“, sagte Scheer.

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