Taktisch wählen:

So holen Sie am Sonntag mehr aus Ihrer Stimme raus

Frau Merkel in Rente schicken? Oder die Linken verhindern? Wer bei der Bundestagswahl 2013 ein Ziel hat, sollte taktisch wählen. Wir erklären, wie es geht.

Piratenpartei Mittelfranken/CC Wählen muss nicht kompliziert sein.

In den letzten Tagen vor der Stimmabgabe reagieren die Wahlkampfzentralen der Parteien immer schneller, immer kurzfristiger, immer taktischer.

Am Morgen nach der Bayern-Wahl schwenkt die FDP auf eine strikte Zweitstimmen-Kampagne um. Von den ebenfalls angeschlagenen Grünen sagt Spitzenfrau Katrin Göring-Eckart: "Wir müssen in den verbleibenden Tagen unser Steuerkonzept besser erklären." Dazu kommt sie gar nicht mehr. Zeitgleich erscheinen Medienberichte, nach denen ihr Kollege Jürgen Trittin in die Pädophilie-Debatte seiner Partei verstrickt ist. SPD-Chef Sigmar Gabriel springt dem Wunsch-Koalitionspartner zur Seite.

Retten, was zu retten ist. Rausholen, was geht.

Auf den letzten Metern agieren Wahlkämpfer nur noch taktisch. Inhalte spielen kaum noch eine Rolle. Neueste Umfrage-Zahlen tun ihr Übriges. Am Donnerstag kommen die letzten. Das wird die Taktik nochmal ändern. Denn: "Gekämpft wird bis zur letzten Minute", heißt es bei den Parteien.

Wenn die Politiker taktisch denken - dann darf der Wähler dies ebenfalls, ganz ohne schlechtes Gewissen.

Wer taktisch wählt, holt mehr aus seiner Erst- und Zweitstimme heraus, und dies kann Wahlen beeinflussen, haben Kommunikationswissenschaftler von der Universität Hohenheim festgestellt. CDU-Fans wählen mit der Zweitstimme die FDP, um die Regierung zu unterstützen. Ein anderes Beispiel: Die AfD wählen, um eine Große Koalition zu ermöglichen.

Wie wähle ich, um meine Wunsch-Regierung zu bekommen? Wir zeigen drei Szenarien.

1. Schwarz-Gelb soll weiterhin die Regierung stellen

Nach der Bayern-Wahl ist klar: Die FDP hat ein Problem. Meinungsforscher sehen sie bei knapp fünf Prozent. Der Einzug in den Bundestag ist also nicht sicher. Wer die bisherige Koalition unterstützen will, sollte demnach mit der Zweitstimme die FDP wählen. Die Erststimme geht an den CDU-Direktkandidaten des jeweiligen Wahlkreises. Im Nordosten ist das übrigens die Bundeskanzlerin selbst.

2. Steinbrück soll Kanzler werden

An die Spitze kommt Peer Steinbrück nur mit einer rot-grünen Koalition. Einen Pakt mit den Linken hat er persönlich ausgeschlossen. Laut Forsa-Umfrage vom 17.09.2013 schaffen es SPD (25%) und Grüne (9%) zusammen nicht, Union (39%) und FDP (5%) in die Opposition zu schicken. Viele taktische Schachzüge für den Wähler bleiben nicht. Da es SPD-Direktkandidaten für den Bundestag in Mecklenburg-Vorpommern in der Vergangenheit schwer hatten gegen die Konkurrenz, lohnt kein Stimmen-Splitting wie bei CDU und FDP. Wer Steinbrück als Kanzler will, sollte beide Stimmen der SPD geben und hoffen, dass auch die Grünen in der Zielgerade aufholen.

3. Große Koalition

Nach der repräsentativen Wahlumfrage des Nordkurier trauen die meisten Mecklenburg-Vorpommer einer Großen Koalition aus CDU und SPD am ehesten zu, Deutschland zu führen. Überraschend: Wer das will, sollte die Alternative für Deutschland (AfD) wählen. Kommen nämlich die Euro-Kritiker in den Bundestag, zur Zeit liegen sie bei drei Prozent, kann dies die Machtverhältnisse in der Sitzverteilung entscheidend verändern. Mehr als wenn die Piraten (ebenfalls drei Prozent) einzögen. Denn eine Koalition mit der AfD hat die Kanzlerin ausgeschlossen, am Ende könnte es dann für Schwarz-Gelb aber auch nicht reichen. Der sichere Hafen für Frau Merkel wäre dann die Große Koalition.

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