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Solche Berichte gefährden den gesellschaftlichen Frieden

Es ist eine Frechheit, die Fremdenfeindlichkeit zu einem reinen ostdeutschen Problem abzustempeln, wie es der Bericht zur Deutschen Einheit tut. Solche pauschalen Urteile verhindern eine ehrliche Diskussion, meint unser Chefredakteur.

Die Grenzen sind überwunden aber die Gräben bleiben - pauschale Urteile werden nichts daran ändern.
David Ebener/Symbolbild Die Grenzen sind überwunden aber die Gräben bleiben - pauschale Urteile werden nichts daran ändern.

Zunächst in aller Deutlichkeit: Jeder anständige Mensch lehnt Gewalt gegen Menschen oder auch Sachen ab. Für brennende Flüchtlingsunterkünfte oder tätliche Übergriffe auf Menschen anderer Herkunft gibt es keine Entschuldigung. Dass die Zahlen ansteigen, schmerzt und beunruhigt. Das Thema aber nun schlicht zum ostdeutschen Problem abzustempeln, ist eine Frechheit.

Damit tut die Bundesregierung weder sich selbst noch dem Zusammenwachsen Deutschlands irgendeinen Gefallen. Solche pauschalen Urteile befeuern Vorurteile über das angebliche "Dunkeldeutschland", vertiefen Gräben und unterstützen Hetzkampagnen wie die nach den Landtagswahlen verbreitete "Reisewarnung Usedom". Als wenn es im Ruhrgebiet, in Bayern oder in anderen West-Bundesländern keine Neonazi-Organisationen, keine Brandanschläge, keine fremdenfeindlichen Ausschreitungen gäbe.

Der Bericht der Bundesregierung zieht für seine Aussagen einen statistischen Trick heran. Die Zahlen von fremdenfeindlichen Brandanschläge werden schlicht auf die Bevölkerungszahl umgerechnet – und siehe da: Das extrem dünn besiedelte Mecklenburg-Vorpommern ist das angeblich fremdenfeindlichste Land, dicht gefolgt von Brandenburg. Kann man so machen – wenn man das Thema bequem wegdrücken möchte. Diese Taschenspielereien richten allerdings erheblichen Schaden an. Denn das Ost-Bashing verhindert eine ehrliche Diskussion und verdeckt die Sicht auf Ursachen. Und das gefährdet dann tatsächlich den gesellschaftlichen Frieden.

Mehr über den Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit lesen Sie hier.

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Kommentare (5)

Zu leugnen, dass Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland ein größeres Problem ist, als in Westdeutschland - das drückt das Thema bequem weg. Sich v.a. beleidigt zu fühlen ("ist eine Frechheit"), das verhindert eine ehrliche Diskussion. Und signifikante statistische Ergebnisse (da gibt es ja nicht nur die politisch motivierte Gewalt, sondern auch Wahlergebnisse, Zustimmung zu extremen Positionen, Teilnehmerzahlen bei Pegida und, und, und...) als "Taschenspielertricks" abzutun, ist nicht mehr, als eine Kopf-in-den-Sand-Haltung. Übrigens gibt es einen kleinen Unterschied zwischen einem "v.a. ostdeutschen Problem" (so im Bericht) und einem "rein ostdeutschen Problem" (das macht der Nordkurier daraus). Seinen Kommentar auf der verzerrten Aussage zu gründen, würde ich wiederum einen "Taschenspielertrick" nennen.

Wie sonst als aus Bevölkerungszahl, Ausländeranteil und Anzahl rechtsgerichtet motivierter Übergriffe und Taten - nicht nur Brandanschläge, wie Sie sicher bewusst formuliert haben - wollen Sie auf den Zustand der Zivilgesellschaft im Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit schließen? Ablehnung von Neuem und Fremden ist in unserer Region ein in weiten Teilen der Gesellschaft akzeptierter Zustand. Sie unterschlagen, dass es im Bericht der Bundesregierung heißt, nur ein weltoffenes M-V habe langfristig gesehen eine Zukunft. Hier hätten Sie ansetzen und eine Perspektive aufzeigen können. Statt dessen streuen Sie Ihren Lesern Sand in die Augen, zeigen mit dem Finger Richtung Westen und sagen "Weiter so!". Schließlich spinnt ja die Bundesregierung bei ihren Aussagen. Ihr Kommentar greift im Wesentlichen zu kurz, ist auf seine Weise populistisch und enttäuscht auf ganzer Linie.

Lieber Chefredakteur, mit BILD-Niveau--Polemik kann man keinen gesunden Bürger hinterm Ofen hervorlocken. Der Bericht spiegelt u.a. beim Thema Rechtsextremismus die letzten 26 Jahre wieder. In mehreren ostdeutschen Landesparlamenten konnten sich bis zu zwei Legislaturperioden Naziparteien halten (NPD, DVU). Auf Usedom hat man mehrheitlich Angst vor Fremden (vermutlich auch auf deutsche Urlauber südlich der Berlin-Linie). Während im Westen Deutschlands Fremdenfeindlichkeit punktuell ohne öffentliches Brimborium durchgeführt wird (Mölln, Solingen), werden im Osten Deutschlands mit großer Rudelbildung und öffentlicher Anteilnahme Fremde gejagt, belagert und entsprechende Feuerwehrmassnahmen offen behindert (Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Heidenau, Freital). Es kamen je tausende oder zehntausende Bürger zu vielen Pegida-Veranstaltungen, wo allerlei kriegerisches Gebrüll beklatscht wurde und der Untergang des christlichen Abendlandes bevor stand. Genausogut könnte die knapp 25% AFD- und NPD-Wählerschaft bei der MV-Landtagswahl 2016 auch als Taschenspielertrick des Wahlverfahrens kritisiert werden. So gesehen findet keine Angleichung von Ost und West statt sondern verschärft sich im Osten Deutschlands.

Merkel hätte nie Kanzlerin werden dürfen, hinterher ist man schlauer, EU ist gespalten auf Grund Merkels Politik, D aussenpol. ein Papiertiger - innenpol. bestimmen soz. Abbau , Bildung Kultur, Soziales, Infrastruktur und zersetzender Zuwanderung das tägliche Bild, welcher normale Bürger will das? Dises arrogante und selbstherrliche über das Volk hinwegregieren führt als Haus gemachtes Problem zwangsläufig zur bewussten Ablehnung dieser Politik und führt zur Bildung und Entfaltung krimineller Energien über diese unehrliche und bevormundende Behandlung - dieser korrupte Machterhalt hat mit Demokratie wenig zu tun - Fazit. des dt. Volkes größtes Problem ist z.Z. die eigene Regierung

Da wird unverhohlen von Zersetzung geschrieben, aber wir haben ja Gott sei Dank hier im Osten kein Problem mit Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit.