Bundestagskandidaten aus MV :

Sonja Steffen - die Frau, die die Kanzlerin herausfordert

Die Stralsunder Juristin und SPD-Frau Steffen greift im Wahlkreis 15 die Kanzlerin im Kampf um das Direktmandat an. Statt auf repräsentative Termine setzt sie auf das Gespräch mit denen, die mit Bundespolitik hadern.

SPD-Frau Sonja Steffen aus Stralsund tritt gegen Kanzlerin Merkel an.
Stefan Sauer SPD-Frau Sonja Steffen aus Stralsund tritt gegen Kanzlerin Merkel an.

Auf bundespolitische Hilfe im Wahlkampf muss Sonja Steffen nicht verzichten: Mit Kanzlerkandidat Peer Steinbrück inspizierte die SPD-Bundestagsabgeordnete schon sanierungsbedürftige Studentenwohnheime in Greifswald. Auch die frühere SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt zog es jüngst zu ihr an die Küste. Die Unterstützung aus der Bundespartei kommt nicht von ungefähr. Schließlich tritt Steffen im Wahlkreis 15 Vorpommern-Rügen-Greifswald I gegen die nach Umfragen beliebteste Politikerin Deutschlands an, gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Steffen schaffte 2009 den Bundestagseinzug nur über die Liste

Seit 1990 hat Merkel den Wahlkreis sechsmal gewonnen. 2009 fuhr die CDU-Politikerin mit 49,3 Prozent ihr bestes Erststimmen-Ergebnis ein. Nicht nur Steffen, sondern auch versierte Landespolitiker wie Ex-Ministerin Marianne Linke bissen sich an der CDU-Direktkandidatin die Zähne aus. Steffen schaffte 2009 den Bundestagseinzug nur über die Liste. Im Wahlkreis erzielte sie gerade mal zwölf Prozent.

Merkel versucht, mit repräsentativen Terminen bei den Wählern zu punkten, etwa mit der Einweihung eines Naturzentrums oder eines Uni-Gebäudes. Steffen zieht es zu denen, die mit der Bundespolitik hadern. Mit Studenten debattiert die alleinerziehende Mutter dreier Töchter über den Bafög-Satz oder stellt sich einem Streitgespräch über die Rechte von Schwulen und Lesben. „Ich bin wohl eher die Frau für die Minderheiten“, sagt Steffen mit einem hintergründigen Lächeln. Stolz sei sie auf ihr Mitwirken im Bundestag an der juristischen Rehabilitierung Homosexueller aus der Zeit von 1945 bis 1976. Kandidaten anderer Parteien bescheinigen der SPD-Frau eine solide Arbeit. Anders als die Kanzlerin sei Steffen präsenter im Wahlkreis, sagt Grünen-Chefin Claudia Müller. Die 31-Jährige ist zurückhaltend. Schließlich greift sie wie auch Kerstin Kassner (Linke) in den „Damenkampf“ um das Bundestags-Direktmandat ein.

"Frau Merkel macht als Abgeordnete keinen guten Job"

Steffen selbst bedauert, dass es mit Merkel so gut wie keine Zusammenarbeit für den Wahlkreis gibt – anders als mit dem CDU-Mann des Nachbarkreises. „Frau Merkel macht als Abgeordnete keinen guten Job“, resümiert die SPD-Frau. Wenn Bürger sie erreichen wollten, sei die Hürde sehr hoch. Dennoch –das zeigten die Wahlen seit 1990 – ist die Zustimmung für Merkel im Wahlkreis überdurchschnittlich hoch.

Steffen kam spät zur Politik: 2002, sieben Jahre nach ihrem Umzug in Deutschlands Osten, trat die Juristin in die SPD ein. Als Anwältin für Sozialrecht habe sie damals die sozialen Schieflagen hautnah über ihre Mandanten kennengelernt, erzählt sie. Die von der SPD unter Schröder forcierte Hartz-IV-Gesetzgebung verteidigt Steffen, weil es viele Menschen gebe, die damit besser lebten. Korrekturbedarf sieht sie bei den Sanktionssystemen. Und es wäre geschickter gewesen, schon damals den Mindestlohn einzuführen.

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