Diagnose Parkinson:

SPD-Legende Vogel macht Krankheit öffentlich

In einem bewegenden Interview macht Hans-Jochen Vogel seine Erkrankung öffentlich. Der frühere SPD-Chef ist nicht der einzige Prominente mit Schüttellähmung.

Beim früheren SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel wurde vor zwei Jahren Parkinson diagnostiziert.
Andreas Gebert Beim früheren SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel wurde vor zwei Jahren Parkinson diagnostiziert.

Vor zwei Jahren hat Hans-Jochen Vogel die niederschmetternde Diagnose bekommen: Parkinson, Schüttellähmung. Seine Familie und seine Freunde wussten davon, die Öffentlichkeit nicht – bis jetzt. In einem Interview mit dem Magazin „Stern“ hat der frühere SPD-Chef die Krankheit öffentlich gemacht. Vielleicht, so der 88-Jährige, kann sein Beispiel ja anderen Menschen helfen, die ebenfalls an der unheilbaren Nervenkrankheit leiden. Vielleicht kann er ihnen Mut machen, „indem ich ihnen zeige, dass man auch in diesem Zustand noch geraume Zeit ein selbstbestimmtes Leben führen kann“.

In dem Münchner Altenheim, in dem der einstige Minister, SPD-Vorsitzende und Fraktionschef seit 2006 mit seiner Frau Lieselotte (87) lebt, heißt es am Donnerstag, er sei nicht zu sprechen. „Aus gesundheitlichen Gründen“, wie er über eine Mitarbeiterin ausrichten lässt. Zu viele Anrufer hätten sich schon nach ihm erkundigt.

Im „Stern“ aber gibt Vogel, Münchner Oberbürgermeister von 1960 bis 1972, einen Einblick in sein Leben mit der Krankheit. „Das Zittern habe ich noch unter Kontrolle, aber es wird wohl unvermeidlich stärker werden“, sagt er in dem Interview. Andere Symptome zeigten sich schon deutlicher: „Ich fühle permanent eine leichte Benommenheit. Beim Gehen fällt es mir schwer, die Richtung zu halten.“ Er stolpere häufiger, sein Namensgedächtnis sei nicht mehr so gut wie früher, seine Schrift werde kleiner und unvollständiger.

Männer sind deutlich häufiger betroffen

Vogel gibt sich betont sachlich, was seine Krankheit angeht: „Warum soll ich klagen? Es würde ja doch nichts ändern.“ Beim Einschlafen habe er zuletzt an den Tod gedacht. „Plötzlich schoss mir der Gedanke durch den Kopf: Na, wie oft wirst Du wohl noch aufwachen?“ Angst vor dem Tod habe er aber nicht. „Angst ändert ja nichts am Lauf der Dinge. Der Tod kommt trotzdem.“ Er habe gelernt, den Tod als einen Bestandteil des Lebens zu akzeptieren.

„Das macht nicht jeder“, sagt Günther Deuschl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie über Vogels Offenheit. „Sie finden selten einen Parkinson-Patienten, der sagt, er gehe damit offen um.“ Auch viele Politiker litten unter Parkinson, sagt Deuschl. Aus Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung werde die Krankheit aber oft verschwiegen. Dank der Forschung könnten Patienten inzwischen bis zu zehn Jahren mit der Krankheit leben, ohne dass jemand etwas bemerkt.

Suizid kommt für Vogel nicht infrage

Weltweit sind nach Angaben der Deutschen Parkinson Gesellschaft rund 4,1 Millionen Menschen an Parkinson erkrankt, rund 280 000 sind es in Deutschland. Studien gehen allerdings davon aus, dass sich die Zahl der Patienten bis 2050 weltweit auf 8,7 Millionen verdoppeln wird. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen, erste Symptome treten meist im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auf.

Bei dem US-Schauspieler Michael J. Fox („Zurück in die Zukunft“) ging es schon viel früher los. Schon im Alter von 29 Jahren wurde die Krankheit bei ihm diagnostiziert. Er gründete eine Stiftung zum Kampf gegen Parkinson und sammelte Hunderte Millionen Euro. Unvergessen ist das öffentliche Leiden von Papst Johannes Paul II., der in den Jahren vor seinem Tod im Jahr 2005 schwer von Parkinson gezeichnet war und kaum noch sprechen konnte. Der US-Schauspieler Robin Williams hatte Parkinson im Frühstadium, als er sich im August im Alter von 63 Jahren umbrachte.

Sich selbst das Leben zu nehmen, komme für ihn nicht infrage, sagt Vogel. Er habe seine ganz eigene Art gefunden, mit der Krankheit umzugehen. „Park in der Sonne“ nennt er sie. Das klingt schöner.

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