TV-Duell:

Stefan Raab als Vertreter des Volkes

Vier Moderatoren, vier unterschiedliche Fragenstile beim TV-Duell. Doch nur einer kristallisierte sich positiv heraus.

Anne Will wirkte fahrig. Stefan Raab hatte die Jungen im Blick.
RTL Anne Will wirkte fahrig. Stefan Raab hatte die Jungen im Blick.

Nur ‘ne schlichte schwarze Hose, darüber ein hellblaues Hemd über ein weißes Shirt und ein lässig übergeworfenes Jacket. So tritt Stefan Raab sonst vor seine hauptsächlich jungen Zuschauer bei Pro Sieben. Und auch für die hehre Politik am Sonntagabend zur Hauptsendezeit kleidete sich der 46-Jährige kein bisschen schnieker, hübscher und schon gar nicht steifer ein. Viele der vorwiegend älteren ARD- und ZDF-Zuschauer erwarteten das vielleicht – und gerade deshalb entschied sich der Entertainer anders beziehungsweise so, wie er es werktags in seiner Ulk-Sendung im Privatfernsehen auch tun würde. Verbiegen kommt für Raab einfach nicht in Frage. Auch dann nicht, wenn man ihm – wie zuerst auch Peer Steinbrück – den Polit-Talk nicht zutraut. Solche Anwürfe kitzeln all seinen Kampfeswillen erst noch hervor.

Steinbrück wieder im Fettnäpfchen

Er möchte zeigen, dass er besser ist, als es ihm die Mehrheit zutraut. Und vielleicht auch besser als seine Gegner. So tappt gerade Steinbrück ins Fettnäpfchen, als der SPD-Kanzlerkandidat nach einer knappen Stunde Raab noch immer nicht den Moderator mit Namen ansprechen kann und ins Stocken gerät.

Das Publikum der 14- bis 49-Jährigen hat Raab mit seiner lässig-lockeren Art jedoch in der Tasche. Kein Wunder, dass seine erste Frage auf den vor allem bei Jüngeren beliebten Wahl-o-Maten abzielte, und er von Angela Merkel wissen wollte, was wohl bei ihr selbst herauskäme und sie als Wahlempfehlung bekäme, wenn sie die Internetbefragung ausfüllte.

Rabauken und Raubeine

Sicher fiel der rabaukige Entertainer vor allem der Kanzlerin zu viel ins Wort. Eine Art, die er seit Jahren in all seinen TV-Formaten zelebriert – oder es vielleicht auch nie anders lernte.

Nicht weniger raubeinig zeigte sich Anne Will, die oft fahrig gegen- und zwischenfragte, ohne die beiden Polit-Promis aussprechen zu lassen. Vor allem in den ersten
45 Minuten plapperten die Moderatoren oft lautstark gegen Merkel und Steinbrück an. Was vielleicht als besonders kritisch und hart wirken sollte, verwirrte den Zuschauer eher, da er kaum mehr etwas verstand. Ein Problem, das sich schon bei den TV-Duellen in den vergangenen Jahren auch bei anderen Zusammensetzungen der Moderationsriege zeigte.

Vertreter der jüngeren Generation

Grundsätzlich präsentierte sich Raab jedoch als eine Art Vertreter der jüngeren Generation unter den vier Moderatoren zwischen Anne Will (ARD), Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL). Raab fragte im Vergleich zu seinen Kollegen plastisch, volksnah und verdeutlichte, was der deutsche Schuldenberg von derzeit mehr als zwei Billionen Euro bedeutet – nämlich eine Zahl mit 13 Stellen. Und dass der unvorstellbare Betrag selbst bei sofortigen Sparmaßnahmen erst weit nach dem Jahr 2100 abgebaut sei.

Man kann Raab ganz bestimmt plakative Fragestellungen vorwerfen. Doch schaffte er es, Themen anzubringen, die den Bürger interessieren, die der Bürger eventuell genau so auch zur Sprache gebracht hätte: nicht stelzern, nicht abgehoben, frei heraus. Allein deshalb tat der Pro-Sieben-Entertainer der stocksteifen, fast zu Tode ritualisierten TV-Veranstaltung mehr als gut.

Maybrit Illner war die Beste

Als beste Moderatorin und Fragestellerin des Duells schob sich ein weiteres Mal Maybrit Illner an Position eins. Die sympathische ZDF-Frau im schwarz-weißen Kostüm fragte äußerst koordiniert, unaufgeregt und pfiffig. Mit ihrer süffisanten Anmerkung, ob denn Politiker zu viel verdienen, brachte sie Peer Steinbrück kurz ins Schwimmen. Antwort – Fehlanzeige! Ein überraschender Moment. Leider auch einer der ganz wenigen in 90 Minuten.

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