Kanzlerkandidat ist empört:

Steinbrück wehrt sich gegen Erpresser-Brief

Wohl eine Einzelperson aus Bonn habe den anonymen Brief an seine Frau geschrieben, vermutet der Kanzlerkandidat der SPD. Er beklagt, dass die Belastungen für seine Familie weit über das Maß hinausgehen, das man üblicherweise im Wahlkampf akzeptieren muss.

In dem anonymen Schreiben wird Peer Steinbrück vorgeworfen, eine Putzfrau illegal beschäftigt zu haben. Der Politiker reagierte auf die Anschuldigungen empört.
Marc Tirl In dem anonymen Schreiben wird Peer Steinbrück vorgeworfen, eine Putzfrau illegal beschäftigt zu haben. Der Politiker reagierte auf die Anschuldigungen empört.

Der Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) ist über den Erpressungsversuch empört, und der SPD-Chef wittert bereits einen politischen Hintergrund: „Ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen für diese Schmutzkampagne dingfest gemacht und vor Gericht gestellt werden“, sagt Sigmar Gabriel. Doch ob das anonyme Schreiben an Peer Steinbrück, in dem ihm illegale Beschäftigung einer philippinischen Putzfrau im Jahr 1999 vorgeworfen wurde, politisch oder persönlich motiviert ist, ist völlig offen.

Der Kanzlerkandidat selbst vermutete am Sonntag, der Täter sei wahrscheinlich eine Einzelperson aus seinem Wohnumfeld in Bonn. Als Beleg für einen schmutziger werdenden Wahlkampf will er das Schreiben denn auch nicht werten: „Das hat erkennbar nichts mit dem Wahlkampf konkurrierender Partien zu tun.“

Bis zum 10. September solle der Kanzlerkandidat zurücktreten, hatte der Erpresser gefordert – andernfalls würde die damalige illegale Beschäftigung öffentlich gemacht. Der Kandidat ging seinerseits in die Offensive, erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt. Der Brief war am 30. August in einem Briefzentrum bei Bonn abgestempelt und an das dortige Amos-Comenius-Gymnasium geschickt worden, wo Steinbrücks Frau Gertrud unterrichtet hatte, bis sie Anfang August in Pension ging. Am vergangenen Mittwoch wurde der Brief von der Schule ungeöffnet an die Privatadresse der Steinbrücks weitergeleitet. Die ließen die Polizei informieren.

Haushaltshilfe hat Arbeitsvertrag abgelehnt

Die Putzfrau hatte 1999 nach Darstellung von Steinbrücks Frau ein halbes Jahr im Haushalt gearbeitet. Ihre ebenfalls in Bonn lebende Mutter habe ihr nach dem Umzug von Kiel an den Rhein als Einzugs-Geschenk gemacht, „dass ihre Putzhilfe für ein halbes Jahr einmal in der Woche bei uns saubermachen sollte“. Sie habe die Putzhilfe bezahlt und dies dann mit ihrer Mutter verrechnet.

Nach Ablauf des halben Jahres habe sie der Frau einen Arbeitsvertrag angeboten. Die habe abgelehnt, weil ihr Mann, der an der philippinischen Botschaft beschäftigt worden war, seinen Job im Zuge des Berlinumzugs verloren unddie Familie den Aufenthalts-status verloren habe.

Sie habe nur schwarzarbeiten können, aber wegen ihrer sehbehinderten Tochter in Deutschland bleiben wollen. „Das hat mich tief berührt. Dennoch habe ich ihr sagen müssen, dass ich sie natürlich nicht schwarz beschäftigen könne. Als Trost habe ich ihr 500 DM geschenkt“, so Steinbrücks Frau. Sie sei sicher, das Richtige getan zu haben. Es sei „infam“, dass ihr Mann 14 Jahre später damit erpresst werden solle.

Erpressungsversuch ein „absoluter Tiefpunkt“

Steinbrück sagt, dass er die Putzfrau nie gesehen habe. Seitdem die Haushaltshilfe 1999 einen Arbeitsvertrag abgelehnt hatte, beschäftigen die Steinbrücks eine bei der Bundesknappschaft angemeldete und sozialversicherte Haushaltshilfe, so der Kanzlerkandidat.

Der Erpressungsversuch sei bisher „der absolute Tiefpunkt in diesem Wahlkampf“, sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel. Und Steinbrück klagt, dass die Belastungen für ihn und seine Familie weit über das Maß hinausgingen, das man üblicherweise akzeptieren muss. „Dass dazu auch ein Erpressungsversuch gehört, ist jenseits meiner Vorstellungskraft gewesen.“ Auf die Frage, ob er so etwas schon einmal erlebt habe, sagte Steinbrück am Sonntag: „Nicht in Form einer Erpressung. Aber dass man versucht hat, mich oder meine Familie insgesamt in unserer Privatsphäre zu verletzen, das ja.“

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