Bankenkrise:

Steuerzahler blechen immer noch für die Banker-Gier

Vor fünf Jahren brach die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammen – und die Welt schrammte nur knapp am Kollaps des Finanzsystems vorbei. Regierungen pumpten Milliarden in die Banken. Bis heute ist nicht alles Geld zurückgezahlt.

Fassungslosigkeit herrschte vor fünf Jahren nach der Lehman-Pleite bei Bankern, Politikern und Steuerzahlern.
epa Peter Foley Fassungslosigkeit herrschte vor fünf Jahren nach der Lehman-Pleite bei Bankern, Politikern und Steuerzahlern.

Ein Pappkarton mit persönlichen Habseligkeiten – vielmehr blieb den Mitarbeitern von Lehman Brothers nicht, als die US-Investmentbank vor fünf Jahren zusammenbrach. Hals über Kopf mussten die Finanzjongleure am 15. September 2008 ihre Büros räumen. Der Wall-Street-Gigant hatte sich mit riskanten Finanzwetten auf den US-Immobilienmarkt das eigene Grab geschaufelt.

Die Nachricht ging um die Welt. Aber nur die wenigsten Menschen dürften damals geahnt haben, wie sehr diese Pleite auch sie selbst betreffen würde – wenn nicht durch den nachfolgenden Wirtschaftsabschwung, dann durch die staatlichen Milliardenhilfen für die Banken.

Der Lehman-Zusammenbruch markierte den Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise. „Plötzlich sahen wir uns der realen Gefahr einer wirtschaftlichen Katastrophe gegenüber“, kommentierte Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman das Geschehen. Dass es nicht zum Äußersten kam, ist den Steuerzahlern zu verdanken, die mit ihrem Geld das aus den Fugen geratene Finanzsystem stützten. Die Citigroup bekam 45 Milliarden Dollar aus Washington, genauso wie die Bank of America. Auch andere Wall-Street-Firmen erhielten Finanzspritzen.

Auch in Deutschland war die Ansage klar: „Einen deutschen Fall Lehman darf und wird es nicht geben“, betonte der damalige Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Jochen Sanio, zwei Monate nach der Lehman-Pleite. Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate wurde ganz, die Commerzbank teilweise verstaatlicht.

Fünf Jahre nach dem Lehman-Kollaps haben Deutschlands Steuerzahler noch immer Milliarden an Rettungsgeldern im Feuer. Auf rund 18,2 Milliarden Euro summieren sich die noch ausgereichten Hilfen des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin). Das Engagement ist riskant: Seit seiner Gründung im Oktober 2008 bis zum Abschluss des Jahres 2012 häufte der Soffin 21,5 Milliarden Euro Verlust an. Was davon letztlich hängenbleibt, kann seriös derzeit niemand sagen. Bankenrettung sei eben „kein Geschäft“ - so formulierte es einmal Soffin-Chef Christopher Pleister.

Die US-Regierung hatte da mehr Glück: Dank üppiger Zinsen für die Hilfsgelder und gestiegener Aktienkurse konnte Washington aus der Rettung der heimischen Banken mit Gewinn herausgehen. Dennoch fällt die Gesamtbilanz negativ aus, was am kostspieligen Neustart der Autobauer General Motors und Chrysler sowie der Verstaatlichung der wichtigsten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac lag.

Die EU-Staaten stellten in den Jahren 2008 bis einschließlich 2011 den Banken fast 3,2 Billionen Euro zur Verfügung, vor allem in Form von Garantien und Eigenkapital. Dabei muss die Rettung nicht immer der Königsweg gewesen sein: Das Institut der deutschen Wirtschaft, das die Zahlen in einer aktuellen Studie zusammengetragen hat, kommt zu dem Schluss, dass gerade diejenigen Eurostaaten die Finanzkrise recht schnell überwunden hätten, die „ihre Problembanken konsequent abgewickelt haben - wie Deutschland und Österreich“. In den Jahren 2008 bis 2010 wurden demnach hierzulande acht Kreditinstitute zerschlagen, verkauft oder geschlossen. 17 waren es in Österreich.

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