Kleine und große Wahlgeschenke:

Stimmenfang mit Fisch und roten Eiern

Mit Speck fängt man Mäuse – mit kleinen Geschenken lockt man die Wähler. Um Aufmerksamkeit zu erheischen, haben sich die Parteien und Kandidaten so einiges einfallen lassen.

Der Kandidat mit der Büchse: Fisch von Eckardt Rehberg (CDU).
Frank Wilhelm Der Kandidat mit der Büchse: Fisch von Eckardt Rehberg (CDU).

Vor dem 22. September noch mal fix in den Piratenshop – online natürlich. Wer für die Internet-Partei in den Bundestag einziehen möchte, hat schon vorher die Wahl. Darf es ein Kugelschreiber, ein T-Shirt oder ein Satz Postkarten mit markigen Piratensprüchen sein? Hier darf auch das Wahlvolk zuschlagen, wie Landeschef Michael Rudolph empfiehlt. Für die eigenen Kandidaten seien Sammelbestellungen aufgegeben worden, darunter Luftballons, Einkaufchips oder Aufkleber. „Besonders beliebt sind unsere Plakate“, meint er. Manche hätten bereits Sammlerwert.

CDU macht Reklame auf Fischbüchsen

Aufgehoben werden können auch die Fischbüchsen, mit denen Eckhardt Rehberg für die CDU in den Wahlkampf gezogen ist. „Die Mindesthaltbarkeit beträgt vier Jahre“, sagt er. Dass eine Legislaturperiode genau so lang dauere, sei ein Zufall. Auf den in Schwaan hergestellten Minibüchsen, in denen sich Hering in Tomate oder der Ost-Klassiker Scomber-Mix befinden, prangt Rehbergs Konterfei – verbunden mit dem Spruch „Mecklenburg-Vorpommern schmeckt mir!“. „Damit werbe ich für ein regionales Produkt und komme besser an die Bürger ran“, sagt der Polit-Profi.

Für Holm-Henning Freier hat der heiße Wahlkampf schon an den kalten Ostertagen begonnen. Karfreitag seien mit der Familie 500 Eier SPD-rot gefärbt und signiert worden, die Ostersonnabend verteilt wurden. „Das waren für manche Menschen echte Überraschungseier, weil zu dem Zeitpunkt kaum jemand an die Wahlen im Herbst gedacht hat“, erinnert er sich. Seitdem habe er rund 150 Veranstaltungen absolviert und dabei auch mit Unterstützung des Technikmuseums Dargen auf Usedom einen Trecker-Oldtimer genutzt. Dass der tschechische „Zetor Super“ in der Grundfarbe Grün lackiert ist, läuft unter Zufall und gilt nicht als Koalitionsaussage. „Es sind ja rote Punkte dran“, so Freier.

FDP greift an

Das Wort Wahlkampf ernster nehmen die Liberalen. „Wir wollen schon zuspitzen“, sagt MV-Generalsekretär Thomas Heldberg. Ins Visier geraten sind vor allem die Grünen. Wie auf der Postkarte mit der knallroten Warnschrift „Die Räuber“, auf der die Grünen-Promis im Stil von Konterfeis der Marke Marx, Lenin und Stalin als geldgierig angeprangert werden. „Die Karten gehen gut weg“, berichtet der FDP-General. Er freue sich aber auch darüber, dass in diesem Jahr oft nach inhaltlichen Materialien gefragt werde.

Weniger angriffslustig geben sich die Grünen. „Wir machen die Materialschlacht nicht mit. Das wäre ja nicht ökologisch“, sagt Landessprecherin Wera Pretzsch. Die Info-Materialien würden so kurz wie möglich gehalten. Wer Glück hat, kann an einem der Stände eine Badeente ergattern oder eine Bio-Sonnenblume nach Hause tragen. Kugelschreiber, Brillenputztücher oder Einkaufschips erweisen sich für Linken-Kandidat Torsten Koplin als Muss – zumal offenbar die Sammelleidenschaft für solche Kleinigkeiten groß sei. Allerdings würden von „mehr und mehr“ Menschen Faltblätter mit den Inhalten nachgefragt.