Der Preis der Energie-Wende:

Strom wird wohl im Winter wieder teurer

Neuer Schock für die Verbraucher: Anfang 2014 werden die Strompreise wohl erneut steigen. Jetzt schlägt die Deutsche Umwelthilfe Alarm und warnt, dass die Kosten aus dem Ruder laufen.

Bis zu sieben Cent könnte künftig eine Kilowattstunde kosten, glaubt man den Prognosen von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU).
Dpa Bis zu sieben Cent könnte künftig eine Kilowattstunde kosten, glaubt man den Prognosen von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU).

Die Vergünstigungen für die energieintensive Industrie hätten alle übrigen Stromkunden zu tragen, vor allem die privaten Haushalte. Wird Strom bald unbezahlbar? Wir geben Antworten auf diese und andere Fragen zur Energiewende und zur Ökostrom-Förderung

Wie stark werden die Strompreise zu Jahresbeginn 2014 steigen?

Ein neuer Strompreis-Anstieg ist schon jetzt absehbar. Kostentreiber sind vor allem steigende Ausgaben für die Ökostrom-Förderung sowie milliardenschwere Investitionen in die Stromnetze. Die EEG-Umlage zur Finanzierung der garantierten Einspeisevergütungen von Ökostrom-Produzenten war zuletzt auf 5,27 Cent je Kilowattstunde geklettert. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) schließt einen Anstieg von bis zu sieben Cent nicht aus. Ein Drei-Personen-Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch müsste dann jährlich 245 Euro für Ökostrom zahlen – 60 Euro mehr als noch in diesem Jahr.

Welchen Einfluss haben Ausnahmen und Strompreis-Rabatte für Unternehmen?

Vergünstigungen für Großverbraucher in der Wirtschaft gibt es sowohl bei der EEG-Umlage als auch bei den Netzentgelten. Die Mindereinnahmen müssen jedoch auf den Rest der Verbraucher umgelegt werden. Sollten alle vorliegenden Rabatt-Anträge genehmigt werden, würde das Gesamtvolumen der Ausnahmen von fünf Milliarden Euro im laufenden Jahr auf sieben Milliarden Euro im Jahr 2014 steigen. Der Umfang der Industrie-Ausnahmen bei den Netzentgelten könnte im nächsten Jahr von aktuell gut 800 Millionen Euro auf bis zu 1,2 Milliarden Euro im nächsten Jahr steigen. Die Grünen kritisieren, dass unter den Begünstigten bislang auch Golfplätze, Kühlhäuser und Computerrechenzentren gewesen seien.

Ist die Energiewende der einzige Grund für hohe Strompreise?

Die Großhandelspreise an der Leipziger Strompreisbörse sind im Keller. Doch der Preisvorteil wird Experten zufolge kaum an die Verbraucher weitergegeben. Hinzu kommt, dass insbesondere Kohlestrom aufgrund der geringen Preise für CO2-Verschmutzungsrechte besonders günstig ist. Je größer der Abstand zwischen Börsenstrompreis und garantierter Einspeisevergütung für Ökostrom-Lieferanten, desto stärker steigt die EEG-Umlage für die Verbraucher.

Weshalb spielt das Thema Strompreise im Wahlkampf bisher keine große Rolle?

Keine Partei verspricht sich beim Thema Energiewende echten Popularitätszuwachs. Nach der Wahl dürfte aber die Bereitschaft steigen, über eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und der Milliarden-Förderung für Ökostrom nachzudenken. Kanzlerin Angela Merkel hat bereits einen Reformvorstoß für den Herbst angekündigt. Zuletzt war Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) mit seinen Vorschlägen für eine Strompreisbremse gescheitert. Er hatte die EEG-Umlage vorübergehend einfrieren wollen.