Jedes Jahr ein Milliardenschaden:

Tachobetrug – ein einfaches Geschäft

Es geht schnell und bringt richtig Geld: Das Manipulieren von Kilometerständen an Gebrauchtwagen war früher sehr aufwendig – heute kann es jeder Laie.

Gerät anstöpseln, Knöpfchen drücken – und schon ist der alte Gebrauchte mal eben 100 000 Kilometer jünger.
Karl-Josef Hildenbrand Gerät anstöpseln, Knöpfchen drücken – und schon ist der alte Gebrauchte mal eben 100 000 Kilometer jünger.

Es dauert drei Sekunden. Dann kann der 6000 Euro teure Gebrauchtwagen für das Doppelte verkauft werden. Mit einem Gerät, das jeder online kaufen kann, lässt sich der Tachostand von Gebrauchtwagen zurückstellen. Ein lukratives Geschäft. Der jährliche Schaden in Deutschland beläuft sich laut ADAC auf sechs Milliarden Euro.

Im Internet preisen Anbieter den Rückstellservice ebenso an wie die Geräte. Es handele sich um „eines der vielseitigsten und am einfachsten bedienbaren Geräte zur Programmierung von Kilometerständen in Tachometern und anderen Modulen“, wirbt ein Anbieter für sein Gerät. Es sei „mit seiner einfachen Handhabung das ideale Tachojustiergerät für den Einstieg in dieses Gewerbe“.

Kein Wunder, dass die Tacho-Masche boomt. Laut ADAC sind 30 Prozent der Gebrauchtwagen manipuliert. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Bundesverband freier KFZ-Händler (BVfK) halten das für zu hoch und gehen von maximal zehn Prozent aus.

Zeiten der Bohrmaschine sind vorbei

Früher drehten technikaffine Bastler den Tacho mit der Bohrmaschine zurück. Heute sind Manipulationsgeräte, die laut ADAC vor zwei Jahren 10 000 Euro kosteten, für knapp 200 Euro zu haben. „Es ist so einfach, dass es uns erschreckt“, sagte Markus Sippl, Leiter Fahrzeugtechnik beim ADAC, am Montag bei der Vorstellung einer Studie des Autoclubs und der Universität Magdeburg. Mit zwei Klicks stellt er den Kilometerstand ein: Von über 120 000 auf 78 000, und mit zwei weiteren Klicks auf 35 000 Kilometer.

„Wir wissen jetzt, dass die Industrie definitiv zu wenig tut, um den Tachobetrug zu erschweren“, sagt Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik. „Wenn man es überspitzt sagt, könnt man sagen, dass die Hersteller sich zu Helfern machen lassen.“

Harsche Vorwürfe, die der VDA jedoch zurückweist. Ein unveränderbarer Tachostand sei schon aus Wartungsgründen keine Lösung. „Die Hersteller haben großes Interesse daran, die Hürden für den Betrug möglichst hoch zu legen.“ Autos, die schwer zu manipulieren sind, überzeugten die Kunden – und nutzten damit Autofahrer und Industrie.

„Es werden Systeme entwickelt, die erheblich höheren Sicherheitsanforderungen genügen“, sagt Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer Technik und Umwelt des VDA. So gebe es etwa einen geschützten Bereich auf den Chips im Auto, wo Informationen fälschungssicher gespeichert werden könnten. „Es bleibt jedem Hersteller selbst überlassen, ob er den Kilometerstand in einem solchen geschützten Bereich able-gen wird.“

„Opfer meist Menschen mit dem kleinen Geldbeutel“

Jedenfalls werde es dauern, bis Autos mit fälschungssicherem Tacho gebraucht verkauft würden. Die Zeit könne auch der ADAC nutzen: „Er könnte die Kilometerstände seiner 18 Millionen Mitglieder abfragen und zentral hinterlegen.“ Und die Politik sei gefragt. „Es gehört auch dazu, dass die Geräte verboten werden müssten. Die heutige Gesetzeslage gibt das nicht her. Aber man könnte ein Gesetz erlassen.“

Während über die rechten Maßnahmen gestritten wird, bleiben die Opfer die Autofahrer – und zwar eher die mit wenig Geld. „Prekär ist, dass die Opfer meistens die Gebrauchtwagenkäufer sind – also Menschen mit dem kleinen Geldbeutel“, sagt Burkhardt. Rund 3000 Euro zahlen sie für ein Auto im Schnitt zu viel, wenn der Tacho manipuliert war. Und wenn sie Pech haben, verpassen sie eine Wartung. Das kann nicht nur gefährlich, sondern auch teuer werden. Die Zeche zahlt der Autofahrer.

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