Kommentar:

Tugce A. hat alles richtig gemacht

Zehntausende haben über Facebook und Twitter Abschied von Tugce A. genommen. Die Studentin wurde vor zwei Wochen Opfer einer Prügelattacke vor einem Schnellrestaurant und erlitt dabei schwere Kopfverletzungen. Nachrichtenchef Marcel Auermann hält die junge Frau für eine Heldin.

Die Anteilnahme am Schicksal der jungen Frau ist grenzenlos: "Tugce, wir beten für Dich" steht auf einem Plakat vor dem McDonald's in Offenbach, vor dem die schreckliche Gewalttat verübt wurde.
Boris Roessler Die Anteilnahme am Schicksal der jungen Frau ist grenzenlos: "Tugce, wir beten für Dich" steht auf einem Plakat vor dem McDonald's in Offenbach, vor dem die schreckliche Gewalttat verübt wurde.

Es ist leicht gesagt: Man muss Zivilcourage zeigen. Natürlich sollte sich jeder Einzelne für andere, die Allgemeinheit einsetzen. Nicht wegschauen, sondern gezielt hinschauen, wo etwas schiefläuft, eingreifen, wo Unrecht geschieht. Die bildhübsche, junge Tugce A. hat dies getan. Sie hat sich einem Schläger, einem Brutalo, einem Straftäter widersetzt, der absurderweise nur Gewalt für sein Recht hält. Doch nun wandelte sich ihr Geburtstag am vergangenen Freitag zu ihrem Todestag.

Tugce A. gleicht einer Heldin.

Schnell kommt einem Dominik Brunner ins Gedächtnis. Er wurde am 12. September 2009 von zwei Jugendlichen am Münchner S-Bahnhof Sölln aus Rache ermordet, nachdem er vier Schüler vor den jugendlichen Rowdys geschützt hatte. Solche Vorfälle machen es einem nicht leicht, in brenzligen Situationen nicht wegzulaufen, sondern sich wie eine Mauer aufzubauen und für Recht und Ordnung einzustehen. Nie darf der Eindruck entstehen, dass jeder selbst schuld sei, der eingreift. Alles andere wäre ein falsches Signal. Denn Dummheit, rohe, menschenverachtende Gewalt und Täter, die in ihrem Leben keinen Sinn sehen und dann das zerstören, was anderen lieb und wichtig ist, dürfen nicht unseren Alltag regieren.

Die Vorfälle in Offenbach und München sind nur zwei Beispiele, die Deutschland ein Armutszeugnis ausstellen. Weil die Bundesrepublik kein erfolgreiches Rezept gegen Intensivtäter besitzt, zu wenig Betreuungsplätze vorhält, Eltern ihre Kinder sich selbst überlassen anstatt ihnen Respekt, Toleranz und Gewaltfreiheit beizubringen. Und weil letztlich Gerichte zu oft zu milde (Jugend-)Strafen verhängen, die es der Zivilcourage zu allem Übel noch schwerer in unserer Gesellschaft mit stetig zurückgehendem Gemeinsinn machen.

So kann es nicht weitergehen. Jugendgewalt wird zwar weniger, aber tödlicher. Tugce A.s Tod darf nicht sinnlos gewesen sein.

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